Aldi- Sekt, Lidl- Wein, Edeka- Champagner… Discounter- Wein kaufen: lecker oder Iih- Bäh?

Kann man Sekt und Wein von Aldi, Lidl und anderen Discountern wirklich trinken?

Kann man Sekt und Wein von Aldi, Lidl und anderen Discountern wirklich trinken?

Beim heutigen Einkauf schwankte ich kurz zwischen Mitleid, einem Herzinfarkt und einem kräftigen Iih- Bäh… Warum? Na, ich durfte beobachten, wie eine Dame mittleren Alters sich erst eine Weile vor dem Weinregal bei Aldi hin und her bewegte, um dann schlussendlich den Sekt Stolzenfels zu nehmen, 2,59  €- achso, natürlich gleich eine ganze Kiste. Eigentlich bin ich frei von Vorurteilen… eigentlich. Aber im Discounter Wein kaufen…

Da ich aber grundsätzlich bereit bin zu lernen, habe ich mich entschlossen den Aldi- Sekt einfach mal zu kosten. Das klingt jetzt einfacher als es war. Ich gebe ehrlicherweise zu, dass mir das nicht so leicht fiel. Na um genau zu sein, habe ich erst eine Runde durch Aldi gedreht um mir auch wirklich sicher zu sein, dass niemand da ist, der mich kennt und das eventuell beobachtet. Niemand da- Gott sei Dank, dann schnell bezahlt und raus. Eigentlich gibt es mehrere Gründe, warum ich beim Discounter keinen Wein kaufe. Vielleicht fangen wir mal damit an, dass ich jedem Verkäufer- egal ob Discounter oder nicht- misstraue, der Weine für 1,99 € VERkauft. Das heißt, der Einkaufspreis liegt wahrscheinlich bei 0,75 €- 1,00 €. Die Frage, die sich mir und wahrscheinlich auch jedem anderem Weintrinker stellt ist, was für ein Zeug soll dort drin sein??

Naja, vielleicht sollten wir auch einfach mal festhalten, dass es sich hierbei um industrielle Landwirtschaft und Massenproduktion handelt. Der zweite Grund ist, dass ich billig- billiger- am billigsten einfach nicht gut finde. Sprich genauso, wie der Milchbauer einen ordentlichen Ertrag machen soll, so dass er leben kann ohne darüber nachdenken zu müssen, wo er seine Butter herbekommt. So sollte in meinen Augen auch der Winzer einen vernünftigen Ertrag haben. Immerhin arbeitet der Landwirt i.d.R. 365 Tage im Jahr. Versteht mich nicht falsch: ich trinke auch nicht jeden Tag 20 €- Weine, dann eher Weine zwischen 4 € und 6 €. Und genau hier beginnt die Crux. Denn wenn man im Discounter einen halbwegs vernünftigen Wein haben möchte, dann sollte man auch schon diesen Betrag ausgeben. Dabei will ich die Discount- Weine per se gar nicht verteufeln. Der Chateauneuf- du- Pape, den Aldi, Lidl & Co immer mal wieder anbieten- für immerhin 9,99 €, ist trinkbar, mehr aber auch nicht. Wobei man natürlich festhalten muss, dass man den Aldi-/ Lidl- Chateauneuf- du- Pape auf keinen Fall mit einem der Weine von Weltruf vergleichen kann. Nichts desto trotz, trinkbar, auch wenn die 10 € in einen Alta Expression Lacrimus Reserva sicher besser investiert sind. Das ist zwar ein Spanier, aber für mich im Vergleich zu dem Discount- Wein eindeutig die besser Wahl. Wenn‘ s ein preiswerter Chateauneuf- du- Pape sein soll, dann doch eher ein L‘ Oratoire. Da gibt es dann auch keine Enttäuschung bei Weinanfängern, was man für 9,99 € so im Glas hat.

Nun aber zur Sache… Den Aldi- Sekt habe ich gut gekühlt und dann einfach mal aufgemacht. Ok, man soll ja mit dem Positiven anfangen. Optisch eine blässlich hell- gelbe Färbung, stark perlend. In der Nase sind leichte Apfelnoten, also eigentlich ganz angenehm. Geschmacklich ist der Stolzenfels für gerade mal 2,59 € auch in Ordnung. Mir persönlich etwas zu farblos und zu stark prickelnd, aber ansonsten ein sauberer Sekt. Für Wein-/ Sekttrinker ohne größere Ansprüche kann ich diesen Sekt durchaus empfehlen. Vor allem, wenn man ihn als Aperitif reicht. Z.B. als Kir (Sekt mit einem Schuss Casis- ein Likör, den es mit oder ohne Alkohol gibt). Für Mixgetränke ist er auch gut geeignet, hier will man ja in aller Regel v.a. den „Sprudel“.

Ich persönlich möchte ihn nicht unbedingt trinken- aus den oben bereits angeführten Gründen. Ohne Frage trifft man auch bei den deutlich preisintensiveren Weinen im Fachhandel auf sehr schwache Weine. Nur der Durchschnitt ist eben deutlich besser. Wen das noch etwas ausführlicher interessiert, dem kann ich den Weinbeobachter empfehlen. Uwe Köster hat sich ebenfalls mit Aldi- Wein und Co befasst.

Weinhaltige Grüße!

 

Julia Bock

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