Wie die Zeit vergeht … oder wie man Wein richtig lagert

Vor ein paar Tagen gab es mal wieder eines dieser Familien- Highlights… Mein Sohn ist 5 geworden. Kinder, wie die Zeit vergeht. Kaum zu glauben wie schnell! Im nächsten Jahr geht’s in die Schule und damit in den nächsten Lebensabschnitt. Das ist natürlich einer der Anlässe, bei denen richtig gefeiert werden darf bzw. sollte.

La Senoba 2008

Und zu einer ordentlichen Feier gehört natürlich guter Wein, der- wie Sie wissen- unbestritten zu meinen Leidenschaften gehört. Aus diesem Grund fand ich die Idee spannend mir eine (oder vielleicht auch zwei, drei 😉 ) Kiste Wein in den Keller zu stellen, die- so wie mein Sohn-  dem Jahrgang 2008 enstpringt und möglichst sehr lange lagerfähig und im Anschluss immer noch genießbar ist. Zu bestimmten „Meilensteinen“ in seinem Leben möchte ich dann eine der Flaschen öffnen und gemeinsam mit der Familie bzw. später auch mit meinem Sohn trinken. Anlässe wären für mich z.B. die bereits erwähnte Schuleinführung, der Schulabschluss, die Volljährigkeit, der Führerschein usw. … vielleicht ja sogar die Geburt meiner Enkel…  😉

Bleibt nun also die Frage: Welcher Wein? Wein ist ja bekanntermaßen nicht gleich Wein. In jedem Fall sollte es also ein Wein sein, der lange gelagert werden kann. Hier sind sowohl die Wahl des passenden Weines als auch eine möglichst optimale Lagerung von Bedeutung. Bevor ich auf die Kriterien für die richtige Weinlagerung zu sprechen komme, geht es zunächst darum den passenden Weines auszuwählen.

Hier sollte man zunächst zwei Regeln beachten:

1. Die Wahl der richtigen Rebsorte: Wenn man zunächst zwischen Weiß- oder Rotwein wählt, so ist der Rote hinsichtlich der Lagerfähigkeit dem Weißen vorzuziehen. Weißweine haben ihren Höhepunkt zumeist sehr schnell erreicht und sollten daher nicht länger als 2 Jahre lagern. Wobei auch hier gesagt sein soll, dass Weißweine bis zu 15 Jahre durchaus gut lagerfähig sein können, wenn Sie länger auf der Hefe liegen. Rotweine hingegen erreichen Ihren Höhepunkt erst nach einiger Zeit der Flaschenreifung, welche wiederum vom Ausbau des Weines abhängig ist. Sie sind demnach für eine Lagerfähigkeit von mehr als 15 Jahren grundsätzlich besser geeignet.

2. Die Länge und Art des Ausbaus: Hier gilt die Faustformel je länger der Wein vor der Flaschenabfüllung reift bzw. ausgebaut wird, umso länger sollte er in der Flasche reifen.

Wenn also der Fokus auf einer möglichst langen Lagerfähigkeit des Weines liegt, ist man gut beraten einen möglichst lange ausgebauten Rotwein zu wählen. Folgende kleine Übersicht weisst auf den Zusammenhang zwischen Ausbau und Lagerfähigkeit hin:

lager2

Unter Berücksichtigung der genannten Kriterien habe ich mich dann für den „La Senoba“ von Javier Rodriguez entschieden. Der mit immerhin 91 Parker-Punkten ausgezeichnete spanische Rotwein besteht zu jeweils 50% aus den Rebsorten Tempranillo und Graciano, welche zunächst getrennt für 12 Monate in Fässern aus ungarischer und französischer Eiche reiften und im Anschluss in ein gemeinsames Fass zusammegführt wurden und weitere 6 Monate ausgebaut wurden. Dadurch ist eine Lagerfähigkeit von bis zu 20 Jahren möglich (vielleicht ja sogar ein wenig länger ;-)). Bei der Verkostung des Weines war ich mir sicher die für mich beste Wahl getroffen zu haben. Der Wein riecht sehr intensiv und komplex nach schwarzen und reifen Früchten und enthält balsamische Noten sowie Spuren von Gewürzen. Am Gaumen ist er schön kräftig und trotzdem sehr elegant- also nicht aufdringlich. Er ist samtig und besitzt eine erstaunliche Frische. Damit der Wein auch in 20 Jahren noch ein Genuss ist, ist die richtige Lagerung von entscheidender Bedeutung, wo wir bereits beim nächsten wichtigen Thema wären.

Folgende Punkte sollten dabei beachtet werden:

1. Die richtige Temperatur: Die bei der Weinreifung ablaufenden chemischen Reaktionen verlaufen bei niedrigen Temperaturen (unter 10°) langsamer als bei höheren Temperaturen. Es ist also wichtig, dass sowohl niedrige Temperaturen als auch möglichst geringe Temperaturschwankungen vorliegen. Die optimale Lagertemperatur liegt bei 13°.

2. Der Lagerungsort sollte möglichst dunkel und ruhig sein: Ähnlich wie eine hohe Temperatur fördert Licht die Reifung des Weines und im Anschluss dessen langsamen Verfall. Daher sollte ein möglichst dunkler Ort gewählt werden. Leichte Erschütterungen und Vibrationen können das Depot des Weines aufwirbeln. Das sollte ebenfalls vermieden werden, weshalb eine ruhige Lagerung fernab vom Straßenverkehr zu bevorzugen ist.

3. Fremde Gerüche vermeiden: Auch wenn fremde Gerüche nicht wirklich schädlich für den Wein sind, so können Sie doch den Weingenuss trüben. Ein geringer Luftaustausch über den Korken ist leider nicht vermeidbar, jedoch sollte man den Wein nicht über längere Zeit in der Garage oder der Küche lagern. Vor allem Rauch und Essensdünste sind besonders gefährlich.

Wenn man diese wesentlichen Punkte beachtet, sollte also eigentlich nichts schiefgehen. Man sollte jedoch berücksichtigen, dass jeder Wein immer individuell verschieden ist. Da wir im kommenden Jahr die Schuleinführung meines Sohnes feiern, wird das gleichzeitig die Gelegenheit sein, die erste Flasche „La Senoba“ zu öffnen. Ich bin jetzt schon gespannt, wie sich der Wein weiter entwickelt hat. Welche Erfahrungen haben Sie denn mit lange lagerfähigen Weinen gemacht? Ich bin gespannt auf Ihre Meinungen und Eindrücke!

Weinhaltige Grüße

Julia Bock

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