Deutsche Weinbauregionen – Unterschiede und Besonderheiten – Teil 5: Weine aus Baden

Ich genieße gerade meinen Urlaub in Baden-Würtemberg und nutze deshalb gleich mal die Gelegenheit um Ihnen die Weinbauregion Baden näher vorzustellen. Nachdem ich beim letzten Blog zu meiner Serie „Deutsche Weinbauregionen“ die Region Saale-Unstrut näher beleuchtet habe, wandern wir also diesmal in den Südwesten Deutschlands.

Baden- ein besonderes Weinanbaugebiet

Baden ist in vielerlei Hinsicht ein besonderes Weinbaugebiet. Aber beginnen wir zunächst mit den harten Fakten. Mit rund 15.900 ha. Anbaufläche ist Baden die drittgrößte Weinbauregion Deutschlands. Es erstreckt sich über ca. 400 km vom Taubergrund im Norden über den Kraichgau und die badische Bergstraße entlang der rheinischen Tiefebene bis zum Bodensee. Eingegrenzt wird das Weinbaugebiet durch den Odenwald im Norden, den Schwarzwald im Südosten sowie die Vogesen im Westen. Dank dieser geschützten Lage ist das Klima besonders sonnig und warm, fast schon mediterran. Die Oberrehinische Tiefebene ist darüber hinaus klimatisch zusätzlich begünstigt. Dank dieser Faktoren ist Baden die wärmste und vor allem sonnenreichste Region Deutschlands. Der Wein lebt jedoch nicht von Wärme und Sonne allein, bekanntermaßen spielt auch eine ausreichende Niederschlagsmenge eine wesentliche Rolle. Auch hier kann Baden mit besten Bedingungen aufwarten. Infolge des Staus im Schwarzwaldgebirge fallen auch im Sommer genügend Niederschläge, so dass Baden eine optimale Kombination aller Klimafaktoren aufweist. Im Ergebnis können die Reben außerodentlich gut Zucker bilden und einen hohen Mineralstoffanteil in den Beeren einlagern. Beste Vorraussetzungen also um qualitativ hervorragende Weine produzieren zu können ;-).

Aufgrund der langestreckten Ausdehnung (400 km!) ist das Gebiet landschaftlich sehr unterscheidlich und auch die Böden entsprechend vielfältig. Keuper und Muschelkalk im Kraichgau und Taubergrund, Moränenschotter am Bodensee, tertiäre Ton-, Kalk- und Mergelböden, vulkanische Böden, große Lösablagerungen sowie Graniverwitterungsböden – eine Vielfalt die sich auch in den Weinen der Region widerfindet und sie deshalb so interessant machen.

Wo wir auch schon beim Thema der Rebsorten wären. Hier sei jedoch der Vollständigkeit halber erwähnt dass sich die Weinbauregion Baden in 9 verscheidene Anbaubereiche teilt. Dies sind namentlich Badische Bergstraße, Bodensee, Breisgau, Kaiserstuhl, Kraichgau, Markgräflerland (Markgräfler Wein), Ortenau, Tauberfranken, Tuniberg und Klettgau. Grundsätzlich sind ca. 40% der Anbaufläche mit 40% der roten Sorten bepflanzt, entsprechend fallen ca. 60% auf die weißen Sorten. Baden ist bekannt als die deutsche Burgunder-Region und zählt weltweit zu den bedeutendsten Spätburgunderanbaugebieten. Mehr als 50% aller Spätburgunder in Deutschland werden hier produziert. Neben den Burgundersorten Spät-, Grau- und Weißburgunder spiele aber auch die weißen Sorten Riesling, Müller-Thurgau und die badische Spezialität Glutedel eine wichtige Rolle.

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Weinanbau ist hier vielerorts noch pure „Handarbeit“

Trotz des technischen Fortschritts im Weinbau erfordert die schwer zu bearbeitenden Hanglagen immer noch ein hohes Maß an Handarbeit von den Weinbauern. Die Mehrzahl der badischen Familienweingüter haben sich zu Erzeugergemeinschaften, d.h. Winzergenossenschaften zusammengeschlossen. 77 Genossenschaften erzeugen so ca. 80% der Weine aus dieser Region. Mehr als 400 Weingüter vermarkten ihre Weine in eigener Verantwortung. Insgesamt gibt es in Baden ca. 23.000 Bteriebe die mehrheitlich im Zu- und Nebenerwerb tätig sind. Diese verhältnismäßig hohe Zal beruht auf dem historisch bedingten Realerbrechtes, was nichts anderes bedeutet als das der Landbesitz zu gleichen Teilen unter den Erbberechtigten aufgeteilt wird.

Ein wirklich wesenlicher Unterschied der Weinbauregion Baden zu allen anderen deutschen Weinregionen ist, dass Baden gemeinsam mit den frazösischen Weinregionen Loire, Elsass, Champagnie, Savoyen und Jura zur EU-weinrechtlichen Weinbauzone B gezählt wird. In Baden gelten daher höhere Mindestanforderungen für Qualitäts- und Prädikatsweine.

 

Sie merken also, dass sich ein Besuch in dieser interessanten und sehr vielfältigen Weinbauregion lohnt. Ich jedenfalls genieße meinen Kurzurlaub hier und die badischen Weine und kann Ihnen einen Besuch wärmstems empfehlen. Welche Erfahrungen haben Sie denn mit badischen Weinen gemacht? Ich bin gespannt auf Ihre Eindrücke.

Weinhaltige Grüße aus dem schönen Baden- Württemberg

Julia Bock

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