Was machen Winzer eigentlich im Winter?

Nach einer kleinen Weihnachts- Winter- Pause bin ich wieder zurück am heimischen Computer. Gut erholt und voller Tatendrang. Wobei die Gedanken doch regelmäßig um das Thema Wein kreisten. Nicht nur, weil es viele gute Weine zu testen gab, sondern auch weil mir die Frage gestellt wurde: „Was machen Winzer eigentlich im Winter?“

Gute Frage- dachte ich mir. Die Antwort ist umfangreich. Natürlich ist im Winter auch bei Winzern nicht ganz so viel zu tun, wie im Frühjahr oder gar Herbst. Aber auch jetzt ruht sich der fleißige Winzer nicht nur aus oder trinkt die eigenen Vorräte leer. Denn wenn im Herbst die Trauben geerntet sind- die Weinlese also vorbei ist- geht die Arbeit im Weinkeller weiter und natürlich am/ im Weinberg.

Widmen wir uns kurz dem Weinkeller. Hier wird jetzt nämlich regelmäßig die 2012er Ernte verkostet. Das ist nicht immer so angenehm, wie es jetzt für den ein oder anderen klingen mag. Denn die Weine sind ja noch nicht „fertig“. Je nachdem wie lange die Weine schon gären gibt es unterschiedliche Geschmacksrichtungen. Viele schmecken sehr säurehaltig und süß. Jedenfalls nicht nach unserem fertigen Genießertrunk.

Neben dem Probieren muss der Winzer aber auch die Temperatur und die Hefe prüfen. Im Januar passiert dann etwas im Weinkeller wovon die wenigsten wissen- er wird richtig gut durchlüftet. Nicht etwa, weil die Luft zu abgestanden ist… Nein, dieser Durchzug hat einen ordentlichen Temperatursturz zur Folge. Dadurch fällt der Weinstein aus und nimmt sozusagen die Säure mit.

Parallel zu diesen Arbeiten hat der Winzer aber noch einiges mehr zu tun. Denn auch der Weinberg muss noch auf die nächste Saison vorbereitet werden.

Eine Arbeit, die im Spätherbst/ Frühwinter ausgeführt wird ist, den Weinberg umzugraben bzw. umzubrechen. In der Fachsprache nennt man das Rigolen. Das ist immer dann nötig, wenn man einen neuen Weinberg erschließt. Der Boden wird ca. 50- 60 cm tief umgegraben und von alten Wurzeln und Sträuchern befreit.  Dann können die Jungreben auf dem Boden besser anwachsen.

Wie jeder landwirtschaftliche Betrieb hat natürlich auch ein Winzer einen Kompost und genau dem geht’s jetzt an den Kragen. Der kompostierte Baum-, Reben- und Strauchschnitt wird als Biomasse auf dem Weinberg zwischen den Reben verteilt. Dadurch kann der Boden das Wasser besser aufnehmen und halten und es ist ein Schutz gegen Errosion. Alternativ dazu kann im Herbst aber auch eine sogenannte Winterbegrünung ausgebracht werden, die dann im Winter bearbeitet wird.

Je nachdem, wo der Winzer ansässig ist, wird entweder bereits im Januar (Südeuropa) oder erst im März (Mitteleuropa) die Winterbegrünung gemulcht. Die Winterbegrünung dient dazu den Nährstoffbedarf der Reben zu decken und zusätzliches Düngen zu vermeiden. Durch das Walzen werden die in der Winterbegrünung gespeicherten Nährstoffe wieder dem Boden zugeführt und stehen den Weinreben zur Verfügung. Das ist aber noch nicht alles. Eine Winterbegrünung verhindert z.B. auch Bodenerrosion und erhöht die Wasserspeicherung im Boden. Wer mehr davon wissen will, dem empfehle ich den Artikel von Herrn Claudio Niggli im Weinjournal ithaka.

Welche der beiden Varianten der Winzer wählt ist- wie so vieles- eine Glaubensfrage.

Last but not least geht es dann im Januar/ Februar an das Verschneiden der Reben. Je nachdem wie viele „Augen“ man stehen lässt, hat man einen höheren oder niedrigeren Ertrag. Häufig werden fast alle Triebe des Jahres abgeschnitten. Laien sind dann meistens recht entsetzt. Denn seien wir ehrlich… es sieht schon ein bisschen brutal aus wie die Weintriebe auf der Erde liegen.

Der Effekt ist aber, dass die Rebe im Frühjahr wieder kräftig austreibt und genau an diesen neuen Trieben wachsen dann die heiß begehrten Weintrauben. Um euch jetzt ganz zu verwirren noch der Hinweis, dass die Rebe am besten an einjährigen Trieben austreibt. Deswegen lassen Winzer häufig ein- bis zweiäugige Zapfen stehen. Unter Auge versteht man in diesem Fall die Verdickung im Holz und daran wachsen dann im nächsten Jahr die neuen Triebe am Besten.

Ihr seht also, selbst im Winter hat der Winzer viel zu tun. Noch mehr zu tun hat er, wenn er Eiswein produzieren möchte. Aber das führt hier zu weit…

Weinhaltige Grüße

Julia Bock

 

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