Lasst die Korken knallen…Nur was wenn es keine Korken gibt?

Lasst die Korken knallen… Nur was, wenn es keinen Korken gibt. Anlässlich des bevorstehenden Silvesterfestes gibt es diesmal eine kurze Beleuchtung des Streitthemas: „Korken oder nicht Korken, das ist hier die Frage!“

Üblicherweise wird Wein, Sekt oder auch Champagner mit einem Korken verschlossen. Wie übrigens bereits seit der Antike. Dort waren es dann allerdings weniger die Flaschen, denn die Weinamphoren. Doch immer öfter trifft man auch einen Schraubverschluss an. Regelmäßig führt das dann zu einer lustig anmutenden Diskussion, wenn man etwas skeptisch angesehen wird und gefragt wird „ein Schraubverschluss?!?“ Das geschieht in der Regel in einem derart vorwurfsvollen Ton, dass ich mich häufig gezwungen sehe mich zu rechtfertigen. „Ja, ein Schraubverschluss. Der Wein ist wirklich gut und der Schraubverschluss ist nicht zwangsläufig negativ zu bewerten.“ Aber seien wir ehrlich, erst nach dem Kosten wird mir Recht gegeben. Warum auch nicht, schließlich sollte man nur dem eigenen Geschmack trauen. Nichts desto trotz ist der Schraubverschluss in der modernen Weinwelt angekommen. Das ist übrigens nicht die erste Abkehr vom guten alten Korken, denn die Winzer der sogenannten Überseeweine, nutzen bereits seit längerem einen Kunstkorken. Das hat den Vorteil, dass man das gute Gefühl eine Flasche entkorken zu können nicht missen muss, aber die Annehmlichkeiten des modernen Verschlusses bewahrt.

Ich persönlich habe durchaus unterschiedliche „Gefühle“, was den Verschluss des Weines angeht.  Alleine die Produktion eines „echten“ Korkens ist genauso interessant wie der Genuss des damit verschlossenen Weines. Hergestellt wird der Korken übrigens aus der Rinde der Korkeiche. Portugal ist weltweit der größte Produzent von Korken. Es gibt dabei aber ein Problem und das leistet dem Kunstkorken und dem Schraubverschluss entscheidenden Vorschub. Erstens kann die Rinde der Eiche frühestens nach 25 Jahren und danach erst wieder nach 9 bis 10 Jahren geerntet werden. Und das zweite weitaus bekanntere Problem ist, dass Naturkorken gelegentlich einen Korkgeschmack beim Wein erzeugen kann. Das liegt nicht zwingend an der Qualität des Korkens selbst, sondern kann durchaus auch durch die Lagerung des Korken bedingt sein. Oder aber es entsteht, z.B. beim Bleichen des Korken mit Chlor, Trichloranisol. Dadurch wird der typisch muffige, bittere und modrige Korkgeschmack verursacht.  Schwere Rotweine vertragen das natürlich besser als leichte Weißweine. Übrigens kosten Naturkorken zw. 13 Cent für schlichte Weine, bis hin zu 1 € für die guten Weine. Als einen großen Vorteil des Naturkorkens sehen die Experten die minimale Sauerstoffzufuhr, die der Naturkorken erlaubt. Dadurch kann der Wein in Würde altern. Das können bei einem Bordeaux- Wein durchaus 40 bis 50 Jahre sein. Und genau hier beginnt das Problem des Kunstkorkens. Denn Erfahrungen mit diesen Korken gibt es noch nicht so lange. Qualitativ hochwertige Kunststoffkorken gibt es erst seit ca. 2000. Das heißt, um diese Korken wirklich beurteilen zu können müssen wir uns wohl noch ein paar Jahrzehnte gedulden. Übrigens kostet ein guter Kunststoffkorken zw. 4 und 13 Cent. Also ein deutlicher Unterschied zu den Naturkorken. Üblicherweise findet man also diese Kunststoffkorken bei jungen, frischen Weinen, die nicht allzu lange gelagert werden müssen bzw. sollen.

Nun aber zu dem Verschluss der „Bauerntrünke“. Eine Bezeichnung, die sowohl den Drehverschluss als auch die Tafelweine in meinen Augen übrigens völlig falsch darstellen. Zum einen gibt es sehr wohl gut trinkbare Tafelweine und zum anderen gibt es mittlerweile auch gute Drehverschlüsse. Z.B. der sogenannte Stelvin. Das ist ein Aluminiumverschluss mit Silikondichtung, der v.a. im mittleren Preissegment stark im Kommen ist. In Australien hat dieser Verschluss übrigens schon eine marktbeherrschende Stellung eingenommen und auch in Deutschland findet man ihn für Weißweine schon sehr häufig. Die Lagerfähigkeit mit diesen Verschlüssen wird unterschiedlich beurteilt. Manche Experten gehen von einer mittleren Lagerdauer aus, während andere sagen, dass der Wein mit diesem Verschluss nicht lagerfähig ist.

Sie sehen also, es scheiden sich die Geister. Obwohl dem Naturkorken bereits vor 10 Jahren der Tod geweissagt wurde, lebt er immer noch und behauptet sich am Markt. Gott sei Dank, haben es aber auch die Schraubverschlüsse von der „No- Go- Liste“ der Weinliebhaber geschafft und erlauben uns jetzt einen unkomplizierten Genuss.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen guten Rutsch in das Jahr 2013 und hoffe Sie bleiben mir und dem Wein gewogen.

Julia Bock

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