Fuß und Wein- Kann das sein? Anstoßen und andere Traditionen rund um den Wein und die Weinherstellung…

Wein und FußBevor ich mich kopf- oder bessergesagt „fuß-“ über zu Fuß und Wein äußere, sei mir eine kurze Hinführung zum heutigen Thema gestattet, das eigentlich von etwas anderem handeln sollte. Aber wie es so ist, entwickelt der Kopf eigene Ideen… nicht ganz unschuldig mag auch das dazugehörige Gläschen Wein gewesen sein…

Ich möchte an dieser Stelle also darauf hinweisen, dass uns Traditionen und Bräuche regelmäßig begegnen. Und einer der Ältesten steht ja nun auch bald wieder an. Wenn Sie mich fragen, dieses Jahr viel zu zeitig, denn bei mir liegt im Augenblick noch ein halber Meter Schnee- natürlich ungeschoben- in der Einfahrt. Wovon ich rede? Ostern… Ich weiß, die vielen hundert Osterhasen im Supermarktregal sollten mich darauf einstimmen. Tun sie aber nicht… Eigentlich wollte ich hier auch nicht über Ostern philosophieren, sondern mir sind Bräuche und Traditionen über den Weg „gelaufen“, vielmehr getwittert.

Zum einen das traditionelle Anstoßen mit Wein. Mit meinem Followern auf Twitter habe ich darüber schon ein paar mal gezwitschert. Allen anderen sei hier kurz erwähnt, dass das Anstoßen mit Wein auf eine seeehr lange Tradition zurückblickt. Begonnen hat es bereits bei den alten Griechen. Die waren nämlich der Meinung, dass Wein außer Auge, Nase und Mund auch noch die Ohren ansprechen sollte. Und wie geht das besser als mit wohlklingenden Gläsern… oder vielmehr Tonkrügen.

Im Mittelalter wurde der Brauch dann etwas abgewandelt. Hier sollte damit verhindert werden, dass man mittels vergifteten Weines umgebracht wird. Mit Krügen wurde damals kräftig angestoßen, dabei schwappte der Wein über und damit in den Krug des Mittrinkenden. Damit konnte zumindest ausgeschlossen werden, dass der Zechkumpan einen umbringen wollte. Durch die Vermischung trank dieser ja schließlich den gleichen Wein. Im Übrigen war das auch einer der Gründe, warum Herrschaften mit ausreichend Geld sich dann auch bald Gläser für den Wein anfertigen ließen. Darin konnte nämlich besser beurteilt werden, ob der Wein eventuell durch Gift verfärbt war.

Eine weitere Tradition- und zwar schon seit es Wein gibt- ist es, den Wein mit Füßen zu treten. Nicht nur im übertragenen Sinne sondern tatsächlich. Wir reden hier sozusagen von der traditionellen Weinherstellung oder auch dem Keltern. Bis heute findet man Winzer, die ihren Wein noch in Hand- oder besser gesagt Fußarbeit herstellen. Der entscheidende Vorgang bei der Weinerzeugung, das Auspressen der Trauben, wird heute üblicherweise durch Maschinen vorgenommen.  Bevor jedoch der Wein tatsächlich gekeltert wird, werden die Trauben als erstes Entrappt. Man nennt das auch Abbeeren. Das ist nichts anderes, als die Weintrauben von den Stielen zu lösen. Die enthalten nämlich zu viele Gerbstoffe und damit kann der Wein leicht zu bitter schmecken. Der zweite Schritt beim Keltern ist dann besagtes Zerreiben der Traube.

„Kelter“ kommt übrigens aus dem lateinischen calcatorium, was zu Deutsch nichts anderes als „mit dem Fuß treten“ bedeutet. Womit wir wieder beim Ausgangspunkt wären. Denn an dieser Stelle werden- wie bereits angedeutet- im Normalfall große Maschinen in Gang gesetzt um das Letzte aus dem Wein herauszuholen. Weitaus sanfter, um nicht zu sagen liebevoller ist dagegen das Keltern mit den Füßen. Hierbei verdichtet sich der Wein anders, was dann wohl eine positive geschmackliche Auswirkung hat. Wer mehr über das Verfahren des Kelterns wissen möchte, dem sei an dieser Stelle folgender Artikel von Herrn Würtz empfohlen: http://wuertz-wein.de/wordpress/2011/02/18/warum-weinmachen-eigentlich-ganz-einfach-ist/

Betont werden muss sicher nicht, dass eine Grundvoraussetzung für diese „fußlastige“ Herstellung des Weines saubere Füße sind… Bereits im 13. Jahrhundert wurde diese Reinlichkeit als Grundvoraussetzung postuliert. Wobei ich nicht unerwähnt lassen möchte, dass seit dem 16. Jahrhundert wiederholt schmutzige Füße als Problem festgestellt wurden sind bzw. schriftlich festgehalten wurden. Ich vermute aber, dass es dieses Problem auch schon vorher gab 😉 (Die ganze geschichtliche Wahrheit finden Sie hier.)

Heute können Sie jedoch davon ausgehen, dass das Reinlichkeitsgebot eingehalten wird bzw. werden muss. Machen Sie sich also keine Sorgen um „Fußspuren im Wein“… sie sollten sauber sein. 😉 Wer mir mal einen „selbstgetretenen“ Wein zur Verkostung anbieten möchte… sehr gern! Ansonsten interessiert mich natürlich Ihre Meinung zum Thema Fuß und Wein und ich freue mich auf Ihre Kommentare!

Weinhaltige Grüße

Julia Bock

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