Deutsche Weinbauregionen – Unterschiede und Besonderheiten – Teil 4: Weine aus der Region Saale-Unstrut

Deutsche Weine sind so vielfältig und unterschiedlich, wie die Regionen aus denen sie stammen. Nach dem ich in meinem letzten Beitrag über die deutsche Weinregion Rheinhessen geschrieben habe, möchte ich mich nun wieder Richtung Nordosten bewegen und über das nördlichste Weinbaugebiet Deutschlands schreiben. Der Kenner deutscher Weine wird natürlich schon erahnen um welche Region es diesmal gehen soll. … Richtig, heute werde ich Ihnen die deutsche Weinbauregion Saale-Unstrut näher vorstellen.

Freyburg, Neuenburg, Weinberg, Vineyard at Freyburg

Weinanbauregion Saale- Unstrut

Das Weinbaugebiet Saale-Unstrut liegt in Mitteldeutschland und befindet sich entlang der gleichlautenden Flüsse Saale und Unstrut. Die Ausdehnung reicht von Nebra im Osten entlang der Unstrut über die Mündung in die Saale bis hinauf in den Norden zur Stadt Weißenfels. Im Süden begrenzt Bad Kösem an der Saale die Weinbauregion. Insgesamt umfasst das Weinbaugebiet eine Fläche von ca. 760 ha, davon befindet sich mit 639 ha der weitaus größte Teil in Sachsen-Anhalt. In Thüringen befinden sich weitere 108 ha sowie nochmal ca. 10 ha in Brandenburg. Hier sei erwähnt, dass das Weinbaugebiet Werder (Havel) in Brandenburg geografisch gesehen von der Region Saale-Unstrut getrennt ist.

Die Region kann auf eine mehr als 1000-jährige Weintradition zurückblicken, bereits im Jahr 998 wird urkundlich erwähnt, dass Kaiser Otto III. dem Kloster Memleben sieben Orte mit allem Land und Gut, sowie den Weinbergen schenkte. Man kann aber davon ausgehen, dass der Weinbau in der Region noch älter ist und mit der Ausdehnung des Christentums bereits in größerem Umfang in Westthüringen betrieben wurde. Im Örtchen Dorndorf an der Werra in Westthüringen ist der Weinbau bis in das Jahr 786 belegt. Gefördert wurde der Weinbau vor allem durch das Zisterzienser-Klosters Sancta Maria Schulpforta.

Im 16 Jahrhundert soll die Anbaufläche im Vergleich zu heute mehr als 13mal so groß gewesen sein, also mehr als 10.000 ha umfasst haben. Doch durch Kriege (z.B. 30-jähriger Krieg), veränderter Bewirtschaftung mit Kartoffeln und Getreide sowie Missernten verschwanden wieder große Teile der Anbaufläche. Im Übrigen (und das verstehe wer will 😉 haben auch sich verändernden Trinkgewohnheiten (Einführung von Tee und Kaffee) das Ihre dazu getan.  Der Weinanbau wurde in der Region zunehmend unwirtschaftlicher. Deswegen wurden preiswertere und qualitativ bessere Weine aus anderen Regionen importiert. Der Weinbau stand in der Region kurz vor dem Zusammenbruch, jedoch sollten politische Veränderungen zu einer Trendwende führen. Infolge der Ergebnisse des Wiener Kongresses im Jahr 1815 gelang die Region wieder in preußischen Besitz. Hohe Einfuhrzölle für importierten Wein sorgten dann wieder dafür, dass die Anbaufläche stieg. Ein weitere Zäsur erlebte der Weinbau mit dem Einfall der Reblaus im Jahr 1887. Sie breitete sich rasant aus und die Saale-Unstrut Region wurde zum ersten Reblausseuchengebiet Deutschlands erklärt. Dadurch betrug die Anbaufläche im Jahr 1919 lediglich noch ca. 100 ha. Mit dem im Jahr 1923 eingführten Pfropfrebenanbaus wurde schließlich ein Ausweg aus dem Reblausproblem gefunden. Nach dem 2. Weltkrieg überlebte der Weinbau zunächst nur durch den Enthusiasmus der Freizeit-Winzer. Durch die ab den 60-iger Jahren beginnende staatliche Förderung wuchs die Anbaufläche wieder auf 480 ha an. Seit der Wende erlebt die Region insgesamt wieder einen anhaltenden Aufschwung, so dass die Weinbaufläche auf nun 760 ha weiter wachsen konnte.

Trotz seiner nördlichen Lage stellt sich die Frage, wodurch ein erfolgreicher Weinanbau überhaupt möglich ist. Wie überall entscheiden darüber die vorherschenden Klima- und Bodenbedingungen. Klimatisch ist das Gebiet durch kontinentale Einflüsse geprägt, d.h. warmen Sommern können zuweilen auch sehr harte Winter folgen. Die Juli-Temperaturen liegen bei durchschnittlich ca. 18 Grad Celsius, das Jahresmittel beträgt ungefähr 9,1 Grad Celisus. Die Sonnenscheindauer beträgt rund 1.600 Stunden im Jahr und ist damit ungefähr mit der des Weinbaugebietes Franken vergleichbar. Im Winter machen die niedrigen Temperaturen den Wintzern zu schaffen. In manchen Jahren sind die Temperaturen schon jenseits der Minus 20 Grad Marke gesunken, aber auch die Spätfröste sind nicht zu unterschätzen. Mit ungefähr 500 mm Jahresniederschlag gehört die Region mit zu den niederschlagsärmsten in Deutschlands. Bedingt wird die klimatische Besonderheit durch den im Norden glegenen Harz und weitere kleinere Höhenzüge die zusammen mit einem besonderen Kleinklima die Vorraussetzungen für einen erfolgreichen Weinanbau bilden. Die charakteristischen Böden der Saale-Unstrut Region stellen Bundsandstein und Muschelkalk dar. Die Böden beeinflussen deutlich den Charakter der regionalen Weine. Während Muschelkalkböden dem Wein einen kernigen Charakter und eine feinwürzige Säure verleihen, bereichert der Bundsandsteinboden den Wein um blumige und fruchtige Noten. Der Lößlehm wiederum macht den Wein fruchtbetont und füllig.

In der Region Saale-Unstrut werden mehr als 50 verschiedene Rebsorten angebaut. Ca. 3/4 der Anbaufläche werden mit weißen Rebsorten bebaut. Erwähnenswert sind hier vor allem die Sorten Müller-Thurgau, Weißburgunder, Rießling, Silvaner, Grauburgunder, Kerner, Bacchus, Traminer und Gutedel. Die restlichen ca. 25% der Anbauflächen werden mit roten Rebsorten bepflanzt, wobei hier vor allem die Sorten Dornfelder, Portugieser, Blauer Spätburgunder, Blauer Zweigelt und Regent erwähnt seien. Ähnlich wie in anderen Weinbaugebieten Deutschlands wie z.B. dem Moselgebiet befinden sich die roten Sorten auf dem Vormarsch. Dennoch sind die weißen Rebsorten nach wie vor dominierend. Man darf also gespannt sein wie sich die Region zum einen hinsichtlich der angebauten Rebsorten aber auch hinsichtlich der Anbaufläche weiter entwickeln wird. Welche empfehlenswerten Weine dieser Region kennen Sie denn?

Weinhaltige Grüße

Julia Bock

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