Deutsche Weinbauregionen – Unterschiede und Besonderheiten – Teil 3: Weine aus Rheinhessen

Nachdem ich im 2. Teil meiner Serie über die Unterschiede und Besonderheiten der deutschen Weinbaugebiete auf das Moselgebiet eingegangen bin, möchte ich mich nun der Weinregion Rheinhessen zuwenden. Nicht zuletzt lagern ja auch in meinem Keller Weine aus der der Region. Unter anderem  Weine vom Weingut Köster-Wolf, wobei mir persönlich vor allem Scheus Traum sehr gut schmeckt. Soviel also zu meinen Wein-Vorlieben … 😉

Scheus Traum2

Köster- Wolf
Scheus Traum

Jetzt aber wirklich … Rheinhessen liegt im wunderschönen Bundesland Rheinland-Pfalz und ist mit einer Anbaufläche von mehr als 26.000 ha das größte Weinbaugebiet Deutschlands. Seine natürlichen Grenzen stellen im Westen die Flüsse Nahe und Alsenz sowie im Osten und Norden der Rhein dar. Ähnlich wie das Moselgebiet kann es auf eine sehr lange Weinbautradition zurückblicken. Bereits die Römer bauten hier Wein an. Durch Archäologische Funde in der Region kann der Weinbau bis in die Zeit um Christi Geburt zurückverfolgt werden. Bis zum Beginn des 1. Weltkriegs (1914) fanden die Weine der Region auch internationale Beachtung. Leider machte man nach dem Krieg den Fehler die Quantität des Weinbaus mehr in den Fokus zu rücken. Seit dem Ende des vorigen Jahrhunderts fand jedoch ein Umdenken statt, so dass sich der allgemeine Ruf rheinhessischer Weine wieder verbesserte. Rheinhessen teilt sich in 3 Bereiche, 24 Großlagen und 432 Einzellagen auf. Unter einer Lage versteht man im Weinbau den geographischen Anbauort. Bereiche wiederum sind fest definierte Gebiete innerhalb einer Weinbauregion und bilden praktisch die Gesamtheit von bestimmten Lagen. Die sogenannten Bereiche wurden geschaffen, um die Vermarktung größerer Weinmengen unter einer einheitlichen Bezeichnung zu ermöglichen. Helfen soll dies vor allem kleineren Anbaugebieten die nicht so bekannt sind…

Rheinhessen wird neben dem Weinbau generell landwirtschaftlich intensiv genutzt. Nicht zuletzt deshalb zählt die Region auch zu den waldärmsten in ganz Deutschland. Stellt sich nun jedoch die Frage wodurch der Weinanbau in der Region möglich bzw. begünstigt wird. Letztendlich ist hier natürlich das Klima einer der wichtigen Punkte. Die Region zählt durch seine geschützte, d.h. vom Wind abgewandte Lage zwischen Taunus, Odenwald, Hunsrück und Nordpfälzer Bergland zu den trockensten und wärmsten Gebieten in Deutschland. Dies sind natürlich beste Bedingungen für den Weinbau. Stärkere Regenfälle bilden eher die Ausnahme und treten wenn dann im Sommer auf. Die Vegetationszeit beträgt ca. 240 Tage, die durchschnittliche Sonnenscheindauer liegt- ähnlich wie im sächsischen Weinbaugebiet– bei ca. 1.600 Stunden pro Jahr.

Kommen wir nun zu den Bodenverhältnissen der Weinbauregion. Rheinhessen ist Teil des Mainzer Beckens, welches wiederum ein tertiäres Senkungsgebiet zwischen Taunus, Odenwald, Hunsrück und Nordpfälzer Bergland darstellt. Zur Zeit des Tertiär war das Gebiet von einem Ur-Meer bedeckt, welches sich jedoch in Abständen zurückzog und von Norden und Süden wieder in das Mainzer Becken drängte. In diesem erdgeschichtlichen Zeitalter lagerten sich Tone, Mergel und Kalke ab. Als sich die Wassermassen wieder zurückzogen, wurden durch Flüsse dünne Sand- und Kiesschichten aus den umliegenden Gebirgen in das Becken eingetragen. So entstanden in den ehemaligen Küstenbereichen teils mächtige Sand- und Kieslagen. Am Ende des Tertiärs begann sich dann das Mainzer Becken zu heben und ein Teil der Ablagerungen wurde durch den Ur-Rhein wieder abgetragen. Später begann sich das Gebiet dann so schnell zu heben, das nicht alle tertiären Ablagerungen durch den Ur-Rhein erodiert werden konnten. Mit der Zeit nahm dann der Rhein seinen heutigen Verlauf ein und es bildeten sich Täler, die sich tief in die aus dem tertiär stammenden Ablagerungen einschnitten. Auf den Hochplateaus blieb dann eine Schicht von Sand und Kies zurück.

Ähnlich wie im Moselgebiet und in Sachsen sind es mehrheitlich die weißen Rebsorten, die in Rheinhessen angebaut werden. Allerdings ist deren Anteil mit ca. 2/3 bei weitem nicht so hoch. Vor allem Müller-Thurgau, Riesling und Silvaner werden angebaut. Daneben gibt es noch Sorten wie Kerner, Scheurebe (übrigens die Rebsorte aus dem besagter Scheus Traum gekeltert wird- schöne Namensgebung wie ich finde und nur zu empfehlen!) und Grauburgunder, um nur Einige zu nennen. Bei den roten Sorten ist vor allem der Dornfelder zu nennen, aber auch Reben wie Blauer Portugieser und Spätburgunder werden angebaut. Wie ich am Anfang bereits beschrieben hatte bin ich ein echter Fan des aus der Region kommenden Weines Scheus Traum. Wie der Name schon erahnen lässt (und ich auch schon erwähnte) wird der Wein aus der Scheurebe gekeltert. Diese ist eine Kreuzung von Riesling und Silvaner und nach Georg Scheu benannt. Der Name des Weines ist Programm: ein feinherbes und feinfruchtiges, zartes Bouquet mit dem Duft nach schwarzer Johannisbeere und einer schönen Säure. Ein herrlich, süffiger Trendwein von dem man mehr möchte. Diesen Wein kann ich Ihnen wirklich sehr empfehlen, gerade jetzt zur Sommerzeit.

Welche Erfahrungen haben Sie denn mit Weinen aus Rheinhessen gemacht. Schreiben Sie mir, ich bin gespannt auf Ihre Antworten.

Mit weinhaltigen Grüßen

Julia Bock

 

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