Deutsche Weinbauregionen – Unterschiede und Besonderheiten – Teil 2: Weine aus dem Moselgebiet

Vor kurzem habe ich ein bißchen über Deutschlands östlichsten Weinanbaugebiet erzählt. Im Übrigen gehört Sachsen auch zu den nördlichsten Weinanbaugebieten. Aber nur vom sächsischen Wein zu erzählen und die restlichen 12 deutschen Weinanbaugebiete zu unterschlagen- die unter uns gesagt, tlw. hervorragende Weine produzieren- wäre nicht zu vertreten 😉

Heute möchte ich das westliche Pendant zu Sachsen, d.h. das Moselgebiet, ein wenig näher beleuchten. Grundsätzlich lässt sich die Weinbauregion Mosel aber nur bedingt mit Sachsen vergleichen.

Die Mosel stellt nicht nur das größte Steillagen-Weinbaugebiet der Welt sondern auch die älteste Weinbauregion Deutschlands dar. Bereits vor mehr als 2000 Jahren bauten Kelten und Römer Wein in der Region an. Trier, als Hauptstadt der Region, blickt auf eine lange Geschichte zurück. Die Stadt wurde von den Römern als Augusta Treverorum gegründet. Unzählige archäologische Funde bezeugen die große Weinbautradition, die damals begründet wurde.

Mosel 2

Mosel
Quelle: http://www.sxc.hu/photo/1204580

Wenn  wir über das Weinbaugebiet Mosel sprechen, so umfasst das jenes Kulturland durch das die Mosel mit seinen Nebenflüssen Saar und Ruwer fließt. Bis zum Jahr 2006 lautete die Gebietsbezeichnung nicht wie heute „Mosel“ sondern bezog in den Namen auch die Nebenflüsse, also „Mosel-Saar-Ruwer“ mit ein. Auf Wunsch der regionalen Winzer wird seit dem Jahr 2007 die heute gebräuchliche Bezeichnung „Mosel“ verwendet. Man versprach sich dadurch vor allem, dass sich der Begriff „Mosel“ international besser durchsetzen könnte. Wenn Sie zufällig einen Moselwein in Ihrem Keller haben, dann schauen Sie mal auf das Etikett. Hier finden Sie bei Jahrgängen bis 2006 noch die alte Bezeichnung. Während der sächsische Wein auf gerade mal ca. 462 ha angebaut wird, so ist im Moselgebiet Wein auf ca. 9.000 ha. kultiviert. Allein für die weiße Rebsorte Riesling wird mehr als 5.300 ha. zur Weinherstellung genutzt. Die Mosel stellt damit auch die größte Rieslinganbaufläche weltweit. Wo wir gerade bei den Rekorden sind … Der steilste Weinberg der Welt steht ebenfalls im Moselgebiet. Mit einer Hangneigung von 65 Grad sucht der Bremmer Calmont seinesgleichen.

Kommen wir aber nun zur Bodencharakteristika der Mosel. Um an den Ursprung der Böden des Moselgebietes zu gelangen müssen wir erdgeschichtlich 400 Millionen Jahre (Zeitalter des Devon) zurückblicken. Zu dieser Zeit befand sich im heutigen Gebiet der Mosel ein riesiger Ur-Ozean.  Der Ur-Ozean wurde zusammengeschoben und der Meeresboden unter hohen Temperaturen und enormen Druck zusammengepresst. Aus den Sedimenten entstand Schiefer und die Mosel schnitt sich mit ihren Nebenflüssen immer tiefer in den Boden ein. Es entstanden Täler mit steil aufragenden Hängen. Durch die günstige Sonneneinstrahlung bieten die Süd- bzw. Südwesthänge und die Südosthänge beste Bedingungen für den Weinbau. Ca. die Hälfte der Anbaufläche befindet sich auf Devonischem Schiefer. Das kalkfreie Gestein- hier wird v.a. Riesling angebaut- gibt dem Wein eine ganz besondere mineralische Note. Im Grundwasser werden die Bestandteile des Gesteins gelöst und können dann von den Reben mit aufgenommen werden. Ein weiterer Großer Vorteil des Schiefers ist seine gute Wärmespeicherkapazität. Dies erweist sich vor allem in den kühleren Herbstnächten als unschlagbarer Vorteil.

Weinbauregion Mosel

Weinbauregion Mosel
Quelle: http://www.sxc.hu/photo/1298049

Im unteren Teil der Mosel finden wir vor allem Quarzitische Sandsteine mit Silt- und Tonschiefer. Der Boden hier ist besonders kalkhaltig. Warum? Ganz einfach deshalb, weil dieser Meeresbereich besonders reich an Lebewesen und Korallenriffen war. Im oberen Moselteil sieht die Sache wieder etwas anders aus. Hier befand sich vor ca. 243 Millionen Jahren ein flaches Muschelkalkmeer. U.a. aus den muschelreichen Ablagerungen entstanden sogenannte Dolomitbänke. Wenn Sie schon mal im Gebiet der Ober-Mosel unterwegs waren so können Sie sich bestimmt noch an die charakteristischen Dolomitfelsen- die das Landschaftsbild prägen- erinnern. Auf den kalkreichen Böden der Obermosel wachsen vor allem Elbling und Burgundersorten.Das Klima ist geprägt durch relativ lange und warme Sommer sowie eher mild ausfallende Wintermonate. Geschützt durch die sie umgebenden Höhenlagen der Eifel und des Hunsrück dauert die Vegetationsperiode mehr als 240 Tage im Jahr. Die mittleren Jahrestemperaturen liegen zwischen 9,0 und bis zu 10,5 Grad Celsius. Die durchschnittliche Jahresniederschlagsmenge liegt zwischen 600 und 700 mm pro Jahr, im Bereich der Ober-Mosel können es jedoch in manchen Jahren auch bis zu 900 mm werden.

Im Moselgebiet werden nach wie vor vor allem weiße Rebsorten angebaut (ca. 91%). Wie bereits erwähnt stellt dabei der Riesling mit ca. 60% der Gesamtanbaufläche den größeten Anteil, gefolgt vom Müller-Thurgau mit ca. 14% und dem Elbling mit ca. 6%. Der Riesling wird vor allem deshalb angebaut, da keine andere Rebsorte in den Schiefersteillagen derart mineralische, charakteristische und feine Weine hervorbringt. Seit dem Ende der 80-iger Jahre sind aber auch Rotweine wieder nennenswert an der Mosel vertreten. Hier seien vor allem Spätburgunder und Dornfelder genannt. Rote Rebsorten machen mittlerweile ca. 9% der Anbauflächen aus.

Auch wenn die roten Sorten langsam im Kommen sind, so ist das Moselgebiet doch nach wie vor vor allem für seinen Riesling über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt. Dennoch bringt das Moselgebiet noch einige andere gute Weine hervor, die sich durchaus mit anderen Weinbauregionen messen können. Welche Weine der Region trinken Sie denn? Ich bin gespannt auf Ihre Antworten!

Weinhaltige Grüße.

Julia  Bock

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