Deutsche Weinbauregionen – Unterschiede und Besonderheiten – Teil 1: Weine aus Sachsen

Ich bin ja immer auf der Suche nach interessanten Themen für meinen Blog und für entsprechende Vorschläge von Freunden und Bekannten immer offen. Denn oftmals ist es so, dass einem dann gerade die Themen vorgeschlagen werden, auf die man selbst so spontan gar nicht gekommen wäre. Genauso ging es mir neulich bei Twitter, wo der Hinweis kam, dass deutsche Weine bzw. deren Vielfältigkeit aufgrund der verschiedenen Terroirs und klimatischen Bedingungen ein interessantes Thema wären.

Es soll nun also in diesem Beitrag um die Unterschiede und Besonderheiten der Weinbauböden und klimatischen Bedingungen in Deutschland gehen. Wo fängt man da am Besten an? Zunächst einmal gibt es In Deutschland 13 Weinanbaugebiete. Dazu zählen Baden, Ahr, Franken, Hessische Bergstraße, Mittelrhein, Mosel, Nahe, die Pfalz, der Rheingau, Rheinhessen, Würtemberg, Saale-Unstrut und zu guter letzt meine Heimat Sachsen.

Deutschland - topshotBis auf die im Osten unserer Republik befindlichen Regionen Saale-Unstrut und Sachsen befinden sich die großen deutschen Anbaugebiete im Westen bzw. Südwesten Deutschlands. Dies ist natürlich in erster Linie durch die klimatischen Bedingungen bzw. Ansprüche, die der Wein für seine Reifung stellt, bedingt. Bekannterweise bevorzugt der Wein das gemäßigte Klima mit ausreichend Niederschlägen und vor allem vielen Sonnenstunden. Eine Beschreibung der Bodenbeschaffenheit und Klimen aller deutschen Weinbauregionen würde den Rahmen des Blogs bei Weitem sprengen, deshalb möchte ich mir zwei besondere Regionen vornehmen. Zum einen Sachsen als östlichstes deutsches Weinbaugebiet und eines der nördlichsten Weinbaugebiete Europas sowie die Mosel-Region als das westliche Pendant. Los geht´s also im Teil 1 mit meiner Heimat, dem schönen Freistaat Sachsen.

Sachsen gehört mit einer Anbaufläche von ca. 462 ha zu den kleinsten Weinbaugebieten in Deutschland kann aber nichts desto trotz auf eine lange Geschichte zurückblicken. Bereits seit mehr als 850 Jahren wird in Sachsen Weinbau betrieben. Der Weinbau konzentriert sich auf das Elbtal mit den Weinorten Meissen und Radebeul bei Dresden. Das in dieser Region qualitativ hervorragende Weine produziert werden können, liegt an der klimatischen Besonderheit des Elbtales.

Im Sommer und im Herbst herrschen teils kontinentale Wetterbedingungen, was vor allem lange Sonnenperioden zur Folge hat. Durchschnittlich liegt die Sonnenscheindauer bei 1.570 Stunden pro Jahr. Die Winter sind für die Region bedingt durch den Elbtalkessel ungewöhnlich mild, die Temperatur sinkt hier nur selten unter den Gefrierpunkt. Im Jahresmittel liegt die Temperatur bei 9 Grad Celsius. Die Niederschlagsmenge beträgt zwischen 600 und 700 mm pro Jahr.

Im Vergleich zum Moselgebiet setzt das Frühjahr im Elbtal erst etwas später ein, der Herbst ist dafür wärmer und trockener. Aufgrund der teils kontinentalen Wettereinflüssen besteht jedoch für den sächsischen Wein Jahr für Jahr das Risiko von Frostschäden an den Reben durch einen harten Winter. Sächsische Weine erhalten ihren Charakter auch durch die unterschiedlichen Bodenarten, da das Elbtal eine Vielzahl geologischer Formationen besitzt. Im Untercarbon, der Hauptfaltungsphase des Erzgebirges drangen Gesteine des Meißner Granit-Syenit-Massivs an die Erdoberfläche. Diese stellen heute einen großen Teil des sichtbaren Gesteins des Elbtales dar. In der Oberen Kreidezeit entstanden dann Sandstein, Plänerschichten und Verwitterungsböden, die im Elbtal oft sehr mächtig sind und die syenitischen Schichten zum Teil überdecken. Über diesen Gesteinsschichten wiederum lagerten sich dann nach der Eiszeit Löss, Tone und Flusssande ab.

Schloss Wackerbarth in Radebeul bei DresdenWie Sie merken sind die Weinbergslagen in Sachsen also durch sehr unterschiedliche Bodenarten geprägt. In Sachsen werden vor allem weiße Rebsorten angebaut. Goldriesling, eine nur in Sachsen vertretene Rebsorte, Weißburgunder, Traminer, Müller- Thurgau, Riesling, Elbling, Scheurebe und Grauburgunder stellen hier die hauptsächlich angebauten Rebsorten dar. Rote Reben werden nur zu einem geringen Anteil angebaut, hier vor allem Spätburgunder, Frühburgunder, blauer Portugieser, Regent, Dornfelder und Dunkelfelder. Hinzu kommt noch die Sektproduktion, mit der man wieder einen seperaten Blog füllen könnte. Vor allem seit der Wende hat sich der Weinbau in Sachsen enorm entwickelt. Private Weingüter wurden gegründet und die Qualität Sächsischer Weine ist enorm gestiegen.

Das sowohl größte als auch älteste private Weingut Sachsens ist das Weingut Schloss Proschwitz. Nach 1990 kaufte Dr. Georg Prinz zur Lippe die ehemaligen Ländereien seiner Familie Stück für Stück zurück. Mittlerweile umfassen die Weinberge eine Bewirtschaftungsfläche von ca. 87 ha. Die Familie setzt auf einen kontrollierten sowie umweltschonenden Anbau und wurde 1996 als erstes sächsisches Mitglied im Verband Deutscher Prädikatsweingüter e.V. (VDP) aufgenommen. Unter anderem werden Grauer Burgunder, Elbling, Weißer Burgunder, Spätburgunder, Riesling, Traminer, Müller-Thurgau und Dornfelder angebaut, die die Grundlage für hochwertige Weiß- und Rotweine sowie Sekt bilden. Die auf die Bewirtschaftungsfläche bezogene relativ hohe Anzahl verscheidener angebauter Rebsorten ist gleichzeitig ein Spiegel der Vielseitigkeit der sächsischen Weinlandschaft.

Einer meiner Favoriten dieses Weingutes ist die „Traminer Spätlese trocken“- meine Bestände sind gut gefüllt, so dass auch Nicht- Sachsen ab und an mal davon kosten dürfen 😉 Er duftet exotisch fruchtig nach Maracuja, Passionsfrucht und Zitronen. Was die Nase verspricht hält auch der Geschmack. Hinzu kommen Auszüge von Gewürzen und Blüten. Mir gefällt vor allem, dass der Wein entgegen manch anderem Traminer nicht behebig sondern angenehm frisch wirkt.

Das könnte ich jetzt noch ausbauen, sprengt aber den Rahmen eines Blogs. Mein Vorschlag, den Wein kosten- von Schloss Proschwitz gibt es natürlich auch noch andere Weine 😉 und dann ein Urteil fällen. Wenn Ihnen der Blog gefallen hat, dann würde ich mich über ein kleines Feedback sehr freuen. In den kommenden Tagen folgt dann der zweite Teil zur Weinbauregion Mosel. Also seien Sie gespannt.

Weinhaltige Grüße

Julia Bock

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