Das Weinglas und seine Auswirkung auf den Weingeschmack

Neulich erreichte mich über Facebook die Frage, ob das Weinglas tatsächlich Einfluss auf den Geschmack hat. Tatsächlich ist es so, dass die Glasform den Geschmack des Weines auf der Zunge beeinflusst. Das liegt einfach daran, dass die Glasform bestimmt, wie wir den Mund und die Zunge formen um daraus zu trinken. Der Wein wird sozusagen- je nach Glasform- über unterschiedliche Bereiche der Zunge geleitet und bestimmt damit unsere Wahrnehmung. Da das Weinglas sich nach oben verjüngt, müssen wir also einen spitzen Mund machen um daraus trinken zu können. Damit kann der Wein also über die verschiedenen Geschmacksregionen der Zunge laufen. Diese ist ja bekanntlich in verschiedene Regionen aufgeteilt: vorn eher süß, seitlich sauer und weiter hinten schmecken wir die Bitterstoffe.

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Gläser beeinflussen die Wahrnehmung des Weines

Aus diesem Grund trinkt man auch vollmundige, schwere Rotweine eher aus runden dickbauchigen Gläsern. Dafür gibt es natürlich nicht nur geschmackliche Gründe. Durch die größere Oberfläche kann der Wein z.B. auch besser atmen- so nennt man es, wenn der Wein mit Sauerstoff in Kontakt kommt. Dadurch können sich die Aromen im Wein besser entfalten. Das gilt vordergründig für Rotweine. Was nun den Geschmack angeht, so wird durch die große Öffnung der Wein in einer „breiten Form“ in den Mund gelenkt. D.h. er trifft auf die vordere Zungenspitze- wo wir eher süßliches schmecken- und vor allem auf die seitlichen Regionen, wo sich die Säure richtig entfalten kann. Dadurch werden die Gerbstoffe des Rotweines wesentlich milder wahrgenommen, als wenn man ihn aus einem Weißweinglas trinkt und der Wein kann sein volles Aromapotential entfalten, denn seitlich besitzen wir die meisten Geschmacksnerven.

Gerade bei Rotweingläsern kann es Sinn machen zwei verschieden Sorten zu besitzen. Einmal die sogenannten Burgunder- Gläser und die Bordeaux- Gläser. Hier spielt auch wieder die unterschiedliche Glasform eine Rolle. Beim Ersteren ist die sogenannte Glasschale größer. Dadurch kann bei feinen Weinen- wie z.B. einem Pinot Noir- das Aroma besser gesammelt werden und der Wein wird auf die Zungenspitze geleitet. Bordeaux- Gläsern sind v.a. für sehr vollmundige Weine- wie einen Bordeaux oder auch einen Merlot– geeignet. Das hohe Glas leitet den Wein eher auf die Rückseite des Mundes, wodurch der Geschmack maximiert werden kann.

Weißweingläser sind in der Regel deutlich kleiner und haben auch eine kleinere Öffnung. Wir sprechen hier also eher von kleinvolumigen Gläsern. Das hängt damit zusammen, dass Weißweine nicht atmen müssen bzw. sollen. Die Weißweinaromen würden sich in einem großen Glas auch ganz einfach zu schnell verlieren. Der Weißwein läuft dann über die Wölbung des Glases spitz in den Mund ein und trifft v.a. auf den vorderen Bereich der Zunge- also auf die süße Region. Dadurch wird die bei Weißweinen vorhandene Säure deutlich abgemildert. Natürlich gibt es auch für Weißweine noch weitere differenzierte Glassorten. Je nachdem, ob man eher einen jugendlich frischen Wein oder einen gereiften Weißwein trinken möchte.

Zu diesen zwei Sorten kommen dann noch Sektgläser– hier ist ein Moussierpunkt am Glasboden eingeschliffen, an dem sich die Kohlensäure bricht, um dann nach oben aufzusteigen- Dessertweingläser, Verkostungsgläser,…

Im Wesentlichen ist es also wichtig, ein Rotwein-, ein Weißwein- und ein Sektglas zu besitzen (bezogen auf die Sorte, nicht die Menge 😉 ) Ich persönlich habe sowohl Bordeaux- also auch Burgundergläser. Die Weißweingläser warten noch auf die Vervollständigung. 😉

Davon abgesehen gibt es noch ein paar wesentliche Punkte für ein gutes Glas:

1. Das Glas sollte zwingend klar, ohne Gravur und nicht gefärbt sein. Die Farbe beeinträchtige maßgeblich unsere Wahrnehmung vom Wein. Mehr dazu finden Sie auch hier.

2. Das Glas sollte dünn sein, um die Weintemperatur möglichst wenig zu beeinflussen.

3. Das Glas sollte einen ausreichend langen Stil haben. Auch darauf habe ich schon einmal Bezug genommen (hier). Insofern hier nur der Hinweis, dass das Glas immer am Stil anzufassen ist, um u.a. die Temperatur nicht zu beeinflussen.

Neben dem Geschmack beeinflusst das Glas natürlich auch die optische Wahrnehmung und den Geruch. Davon abgesehen gilt auch hier wie immer: Haben Sie Spaß beim Weintrinken und am Genuss! Probieren Sie doch mal, wie sich der Wein geschmacklich verändert, wenn Sie ihn aus unterschiedlichen Gläsern trinken und sagen Sie mir doch, welche Erfahrungen Sie gemacht haben.

Weinhaltige Grüße

Julia Bock

 

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