Was eine Pullerparty im Winter, Fragolino Rosso Bottega und Erinnerungen gemeinsam haben…

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Letztes  Wochenende waren wir zu einer Pullerparty eingeladen. Ihr kennt sicher den amerikanischen Brauch, bei dem die Männer sich treffen um auf das frischgeborene Kind anzustoßen. Die Frau liegt dabei in aller Regel noch im Krankenhaus und (versucht) sich von der Geburt zu erholen. Gott sei Dank ist das in Deutschland mittlerweile etwas anders. Soll heißen, die Frau darf mitfeiern. Vielleicht hätte ich nicht Gott sei Dank sagen sollen, denn schlüssiger Weise feiert die Frau nicht nur mit, sondern muss auch vorbereiten L Ich glaube, das brauche ich jetzt nicht weiter zu kommentieren. Jedenfalls waren wir auf einer etwas anderen Pullerparty. Wer jetzt im Sächsischen wohnt, weiß, dass es bitterkalt war. Die Idee hinter der Pullerparty fand ich aber prinzipiell ziemlich gut. Die fand nämlich im Freien statt (-7°C) bei Glühwein und Grillgut. Als kleines Mitbringsel gab es- wen wundert’s- eine Flasche Wein. Oder besser gesagt eine Flasche Fragolino. Die lässt beim Trinken übrigens stark an Sommer, Sonnenschein, gute Freunde und gute Laune denken. Freunde und gute Laune gab es en masse. Die Sonne fehlte leider. Übrigens möchte ich anmerken, dass Fragolino nicht gleich Fragolino ist! Den billigen gibt’s schon ab 2,99 € im Supermarkt um die Ecke. Dann trinkt ihr aber auch einfach nur Wasser versetzt mit Alkohol, Zucker und Farbstoff. Wer ein kleines bisschen tiefer in die Tasche greift, kann aber ein echtes Geschmackserlebnis von Walderdbeere bekommen und zwar beim Fragolino Rosso Spago Bottega. Gibt es im Internet bei diversen Anbietern- aber Vorsicht! Viele haben zwar scheinbar einen niedrigen Preis, dort schlagen dann aber in aller Regel die Versandkosten ziemlich heftig zu.

Auf jeden Fall musste ich an unsere eigene erste Pullerparty denken. Die fand nämlich auch im Freien statt. Allerdings im Wonnemonat Mai. Unser Großer ist nämlich ein Stier- zumindest dem Sternzeichen nach. Bei uns gab‘ s Kesselgulasch und eben jenen besagten Fragolino. Die Vorbereitungen waren damals ziemlich stressig. Ich werde glaub ich nie vergessen, wie ich am Vortag in aller Eile alles vorbereiten wollte, mein Kind- seinem natürlichen Drang folgend- eine mehr als volle Windel hatte und somit ein Bad benötigte. Ich weiß nicht wie, aber ich habe es auf jeden Fall geschafft, neben meinem Kind auch noch das Badezimmer und mich zu wässern. Nass und geschafft will ich mein Kind anziehen und merke natürlich, dass ich vergessen hatte Body und Co bereit zu legen. Gewissenhaft schnappt man bzw. in dem Fall frau sich das Kind, geht zum Kleiderschrank und will alles rausnehmen. Hatte ich schon erwähnt, dass ich einen Sohn mit der entsprechenden Ausstattung- also kleinem Piephahn- habe ? Ich muss glaub ich nicht näher erläutern, warum ich zusätzlich zum Bad wischen, mich selber umziehen und Pullerparty vorbereiten auch noch den kompletten Kleiderschrank (also den Inhalt) waschen musste…

Das ist so eine Sache mit Erinnerungen. Am letzten Wochenende habe ich mich mit einem leicht wehmütigen Lächeln zurückerinnert- immerhin ist das schon fas 5 Jahre her. Aber ich wage zu behaupten, dass es mir damals schwer fiel ein Lächeln im Gesicht zu behalten.

Also, testet mal den Fragolino Rosso Spago Bottega und erzählt mir, was euch dabei so für Erinnerungen oder vielleicht auch für Ideen kommen.

Weinhaltige Grüße

Julia Bock

Was machen Winzer eigentlich im Winter?

Nach einer kleinen Weihnachts- Winter- Pause bin ich wieder zurück am heimischen Computer. Gut erholt und voller Tatendrang. Wobei die Gedanken doch regelmäßig um das Thema Wein kreisten. Nicht nur, weil es viele gute Weine zu testen gab, sondern auch weil mir die Frage gestellt wurde: „Was machen Winzer eigentlich im Winter?“

Gute Frage- dachte ich mir. Die Antwort ist umfangreich. Natürlich ist im Winter auch bei Winzern nicht ganz so viel zu tun, wie im Frühjahr oder gar Herbst. Aber auch jetzt ruht sich der fleißige Winzer nicht nur aus oder trinkt die eigenen Vorräte leer. Denn wenn im Herbst die Trauben geerntet sind- die Weinlese also vorbei ist- geht die Arbeit im Weinkeller weiter und natürlich am/ im Weinberg.

Widmen wir uns kurz dem Weinkeller. Hier wird jetzt nämlich regelmäßig die 2012er Ernte verkostet. Das ist nicht immer so angenehm, wie es jetzt für den ein oder anderen klingen mag. Denn die Weine sind ja noch nicht „fertig“. Je nachdem wie lange die Weine schon gären gibt es unterschiedliche Geschmacksrichtungen. Viele schmecken sehr säurehaltig und süß. Jedenfalls nicht nach unserem fertigen Genießertrunk.

Neben dem Probieren muss der Winzer aber auch die Temperatur und die Hefe prüfen. Im Januar passiert dann etwas im Weinkeller wovon die wenigsten wissen- er wird richtig gut durchlüftet. Nicht etwa, weil die Luft zu abgestanden ist… Nein, dieser Durchzug hat einen ordentlichen Temperatursturz zur Folge. Dadurch fällt der Weinstein aus und nimmt sozusagen die Säure mit.

Parallel zu diesen Arbeiten hat der Winzer aber noch einiges mehr zu tun. Denn auch der Weinberg muss noch auf die nächste Saison vorbereitet werden.

Eine Arbeit, die im Spätherbst/ Frühwinter ausgeführt wird ist, den Weinberg umzugraben bzw. umzubrechen. In der Fachsprache nennt man das Rigolen. Das ist immer dann nötig, wenn man einen neuen Weinberg erschließt. Der Boden wird ca. 50- 60 cm tief umgegraben und von alten Wurzeln und Sträuchern befreit.  Dann können die Jungreben auf dem Boden besser anwachsen.

Wie jeder landwirtschaftliche Betrieb hat natürlich auch ein Winzer einen Kompost und genau dem geht’s jetzt an den Kragen. Der kompostierte Baum-, Reben- und Strauchschnitt wird als Biomasse auf dem Weinberg zwischen den Reben verteilt. Dadurch kann der Boden das Wasser besser aufnehmen und halten und es ist ein Schutz gegen Errosion. Alternativ dazu kann im Herbst aber auch eine sogenannte Winterbegrünung ausgebracht werden, die dann im Winter bearbeitet wird.

Je nachdem, wo der Winzer ansässig ist, wird entweder bereits im Januar (Südeuropa) oder erst im März (Mitteleuropa) die Winterbegrünung gemulcht. Die Winterbegrünung dient dazu den Nährstoffbedarf der Reben zu decken und zusätzliches Düngen zu vermeiden. Durch das Walzen werden die in der Winterbegrünung gespeicherten Nährstoffe wieder dem Boden zugeführt und stehen den Weinreben zur Verfügung. Das ist aber noch nicht alles. Eine Winterbegrünung verhindert z.B. auch Bodenerrosion und erhöht die Wasserspeicherung im Boden. Wer mehr davon wissen will, dem empfehle ich den Artikel von Herrn Claudio Niggli im Weinjournal ithaka.

Welche der beiden Varianten der Winzer wählt ist- wie so vieles- eine Glaubensfrage.

Last but not least geht es dann im Januar/ Februar an das Verschneiden der Reben. Je nachdem wie viele „Augen“ man stehen lässt, hat man einen höheren oder niedrigeren Ertrag. Häufig werden fast alle Triebe des Jahres abgeschnitten. Laien sind dann meistens recht entsetzt. Denn seien wir ehrlich… es sieht schon ein bisschen brutal aus wie die Weintriebe auf der Erde liegen.

Der Effekt ist aber, dass die Rebe im Frühjahr wieder kräftig austreibt und genau an diesen neuen Trieben wachsen dann die heiß begehrten Weintrauben. Um euch jetzt ganz zu verwirren noch der Hinweis, dass die Rebe am besten an einjährigen Trieben austreibt. Deswegen lassen Winzer häufig ein- bis zweiäugige Zapfen stehen. Unter Auge versteht man in diesem Fall die Verdickung im Holz und daran wachsen dann im nächsten Jahr die neuen Triebe am Besten.

Ihr seht also, selbst im Winter hat der Winzer viel zu tun. Noch mehr zu tun hat er, wenn er Eiswein produzieren möchte. Aber das führt hier zu weit…

Weinhaltige Grüße

Julia Bock

 

Lasst die Korken knallen…Nur was wenn es keine Korken gibt?

Lasst die Korken knallen… Nur was, wenn es keinen Korken gibt. Anlässlich des bevorstehenden Silvesterfestes gibt es diesmal eine kurze Beleuchtung des Streitthemas: „Korken oder nicht Korken, das ist hier die Frage!“

Üblicherweise wird Wein, Sekt oder auch Champagner mit einem Korken verschlossen. Wie übrigens bereits seit der Antike. Dort waren es dann allerdings weniger die Flaschen, denn die Weinamphoren. Doch immer öfter trifft man auch einen Schraubverschluss an. Regelmäßig führt das dann zu einer lustig anmutenden Diskussion, wenn man etwas skeptisch angesehen wird und gefragt wird „ein Schraubverschluss?!?“ Das geschieht in der Regel in einem derart vorwurfsvollen Ton, dass ich mich häufig gezwungen sehe mich zu rechtfertigen. „Ja, ein Schraubverschluss. Der Wein ist wirklich gut und der Schraubverschluss ist nicht zwangsläufig negativ zu bewerten.“ Aber seien wir ehrlich, erst nach dem Kosten wird mir Recht gegeben. Warum auch nicht, schließlich sollte man nur dem eigenen Geschmack trauen. Nichts desto trotz ist der Schraubverschluss in der modernen Weinwelt angekommen. Das ist übrigens nicht die erste Abkehr vom guten alten Korken, denn die Winzer der sogenannten Überseeweine, nutzen bereits seit längerem einen Kunstkorken. Das hat den Vorteil, dass man das gute Gefühl eine Flasche entkorken zu können nicht missen muss, aber die Annehmlichkeiten des modernen Verschlusses bewahrt.

Ich persönlich habe durchaus unterschiedliche „Gefühle“, was den Verschluss des Weines angeht.  Alleine die Produktion eines „echten“ Korkens ist genauso interessant wie der Genuss des damit verschlossenen Weines. Hergestellt wird der Korken übrigens aus der Rinde der Korkeiche. Portugal ist weltweit der größte Produzent von Korken. Es gibt dabei aber ein Problem und das leistet dem Kunstkorken und dem Schraubverschluss entscheidenden Vorschub. Erstens kann die Rinde der Eiche frühestens nach 25 Jahren und danach erst wieder nach 9 bis 10 Jahren geerntet werden. Und das zweite weitaus bekanntere Problem ist, dass Naturkorken gelegentlich einen Korkgeschmack beim Wein erzeugen kann. Das liegt nicht zwingend an der Qualität des Korkens selbst, sondern kann durchaus auch durch die Lagerung des Korken bedingt sein. Oder aber es entsteht, z.B. beim Bleichen des Korken mit Chlor, Trichloranisol. Dadurch wird der typisch muffige, bittere und modrige Korkgeschmack verursacht.  Schwere Rotweine vertragen das natürlich besser als leichte Weißweine. Übrigens kosten Naturkorken zw. 13 Cent für schlichte Weine, bis hin zu 1 € für die guten Weine. Als einen großen Vorteil des Naturkorkens sehen die Experten die minimale Sauerstoffzufuhr, die der Naturkorken erlaubt. Dadurch kann der Wein in Würde altern. Das können bei einem Bordeaux- Wein durchaus 40 bis 50 Jahre sein. Und genau hier beginnt das Problem des Kunstkorkens. Denn Erfahrungen mit diesen Korken gibt es noch nicht so lange. Qualitativ hochwertige Kunststoffkorken gibt es erst seit ca. 2000. Das heißt, um diese Korken wirklich beurteilen zu können müssen wir uns wohl noch ein paar Jahrzehnte gedulden. Übrigens kostet ein guter Kunststoffkorken zw. 4 und 13 Cent. Also ein deutlicher Unterschied zu den Naturkorken. Üblicherweise findet man also diese Kunststoffkorken bei jungen, frischen Weinen, die nicht allzu lange gelagert werden müssen bzw. sollen.

Nun aber zu dem Verschluss der „Bauerntrünke“. Eine Bezeichnung, die sowohl den Drehverschluss als auch die Tafelweine in meinen Augen übrigens völlig falsch darstellen. Zum einen gibt es sehr wohl gut trinkbare Tafelweine und zum anderen gibt es mittlerweile auch gute Drehverschlüsse. Z.B. der sogenannte Stelvin. Das ist ein Aluminiumverschluss mit Silikondichtung, der v.a. im mittleren Preissegment stark im Kommen ist. In Australien hat dieser Verschluss übrigens schon eine marktbeherrschende Stellung eingenommen und auch in Deutschland findet man ihn für Weißweine schon sehr häufig. Die Lagerfähigkeit mit diesen Verschlüssen wird unterschiedlich beurteilt. Manche Experten gehen von einer mittleren Lagerdauer aus, während andere sagen, dass der Wein mit diesem Verschluss nicht lagerfähig ist.

Sie sehen also, es scheiden sich die Geister. Obwohl dem Naturkorken bereits vor 10 Jahren der Tod geweissagt wurde, lebt er immer noch und behauptet sich am Markt. Gott sei Dank, haben es aber auch die Schraubverschlüsse von der „No- Go- Liste“ der Weinliebhaber geschafft und erlauben uns jetzt einen unkomplizierten Genuss.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen guten Rutsch in das Jahr 2013 und hoffe Sie bleiben mir und dem Wein gewogen.

Julia Bock

Wie man den richtigen Wein auswählt… oder wie stelle ich Schwiegermütter zufrieden?

Nachdem wir uns das letzte Mal mit dem Thema Weintemperatur beschäftigt haben, geht es heute um den „guten Geschmack“. Darüber kann man ja bekanntlich streiten. Gerade Gäste oder z.B. Schwiegermüttern möchte man nun aber besonders zufrieden stellen und ihren Geschmack treffen. Nur am Rande bemerkt, ich habe gleich zwei Exemplare (Schwiegermütter) davon. Und da mein kleines Töchterchen gestern 1 Jahr alt geworden ist, steht nun am Samstag die große Feier an. Was mich zu der Frage bewegte, welchen Wein biete ich meinen Gästen (und natürlich den zwei Schwiegermüttern) an.

Die letzte Feier endete damit, dass ich- obwohl reichlich Auswahl vorhanden war- noch weitere drei Mal in den Weinkeller flitzte um einen anderen Wein zu holen, denn obwohl mir jedes Mal versichert wurde, dass der Wein schmeckt, wollte man doch lieber noch einen anderen probieren. Nun kann ich ja schlecht behaupten, ich habe keinen Wein mehr- schließlich ist der Keller voll davon und jeder weiß es.

Aber wie trifft man nun die richtige Auswahl für eine große Anzahl Gäste. Bei mir ist die Zahl überschaubar- 20 Gäste, von denen die Mehrheit gern Weißwein trinkt. (Gott sei Dank auch beide Schwiegermütter ;-)).  Damit trifft man bzw. frau den Trend der Zeit, denn vor allem trocken und frizzante ist wieder angesagt. Mein Glück, denn damit liege ich mit meinem derzeitigen persönlichen Lieblingswein, dem T-Sanzo Verdejo Frizzante von Javier Rodriguez, genau richtig.

Für alle, die jetzt die Stirn runzeln und fragen, was ein Frizzante ist. Denen sei in kurzen Worten gesagt: ein Frizzante ist ein Perlwein bzw. ein sogenannter halbschäumender Wein. Warum aber jetzt „halbschäumend“? Das hängt ganz einfach mit der Herstellung zusammen. Er darf bei 20 °C nicht mehr als 2,5 bar an Überdruck aufweisen. Ein weiteres charakteristisches Merkmal und v.a. ein Unterschied zu Schaumwein ist, dass er auch keinen Schaumweinstopfen und keinen Bügel hat. Der Verdejo Frizzante z.B. hat einen einfachen Schraubverschluss. Was nebenbei bemerkt die Handhabung auf einer Feier deutlich vereinfacht.

Mir persönlich ist ein Frizzante auch deutlich angenehmer, da er nicht so stark perlt, wie z.B. ein Sekt. Womit ich also mein Problem, welchen Wein ich meinen Gästen am Samstag anbiete, gelöst hätte.

Brauche ich also nur noch einen Rotwein. Da fällt die Wahl allerdings leicht, hier nehme ich einen Lacrimus 5 (auch von Javier Rodriguez). Der ist zwar recht kräftig, aber trotzdem angenehm samtig und fruchtig. Damit überzeugt man sowohl „Anfänger“ als auch Liebhaber.

Bevor Sie sich also den Kopf zerbrechen, analysieren Sie einfach kurz, was die Mehrheit gern trinkt- trocken, halbtrocken, lieblich, weiß oder rot,… und nehmen Sie dann einen Wein, der Ihnen selbst besonders zusagt. Wenn es etwas zu essen gibt, sollte der Wein natürlich auch damit korrespondieren. Bei allem was aus dem Meer kommt- Krustentiere, Fisch, etc.- liegen Sie immer richtig, wenn Sie ein Weißwein mit wenig Säure anbieten. Das passt im Übrigen häufig auch generell zu Vorspeisen. Zum Hauptgang sind dann in der Regel gehaltvollere Weine angesagt.

Wenn Sie jetzt immer noch ein großes Fragezeichen im Kopf haben, oder eine Weinempfehlung zu Ihrem Essen brauchen, dann fragen Sie mich doch einfach, ich helfe gern.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine besinnliche Weihnachtszeit und immer ein volles Glas!

Julia Bock

Warum ein Schnupfen tragisch ist… oder welche Temperatur Wein haben sollte

Was gibt es schlimmeres als einen Schnupfen… Jede Menge, für einen Weinliebhaber nicht viel. Mich hat es nun leider doch erwischt. Nichts desto trotz möchte ich Ihnen ein bißchen was über Wein erzählen.

Häufig werde ich gefragt, welche Temperatur ein Wein haben sollte. Die Antwort stellt die meisten nicht zufrieden, denn ich rate zum Probieren. Jeder Wein hat seine Eigenheiten, die es zu berücksichtigen gilt. Wird der Wein zu warm getrunken, so schmeckt man vor allem den Alkohol und es entwickeln sich störende Töne in der Nase. Genauso wenig sollte man den Wein zu kalt trinken. Dann wirkt er verschlossen und man kann die einzelnen Nuancen nicht ausmachen.

Grundsätzlich ist es aber so, dass Weiß- und Roséwein kälter getrunken werden als Rotwein. Also, welche Temperatur muss Wein haben? Bei Rotwein scheiden sich häufig die Geister. Lange Zeit galt es den Rotwein bei Zimmertemperatur zu trinken. Wenn Sie auch heute noch in einer Wohnung mit einer Durchschnittstemperatur von 18 °C leben, dann können Sie sich daran orientieren. Da das aber eher selten ist, sollten Sie einen Rotwein in der Regel vor dem Genuss kühlen. Zwischen 16 und 18 °C- Leichte, tanninarme Rotweine können aber durchaus auch noch kühler getrunken werden. Tannine sind die Gerbstoffe des Weine. Dadurch entsteht die raue Note von Trockenheit, auch Adstringenz genannt. Bei Rotweinen spielen diese Tannine eine weitaus wichtigere Rolle als bei Weißweinen. Denn die Tannine werden zusammen mit den Farbstoffen aus der Beerenhaut extrahiert. Da Rotweine länger auf der Maische liegen, werden mehr Tannine aus der Beerenhaut gelöst…aber ich schweife ab.

Fakt ist also, dass Rotwein generell wärmer als Weißwein genossen wird, da die Aromastoffe bei höheren Temperaturen besser flüchtig werden. Allerdings, wie schon gesagt, ist damit natürlich auch die Abdampfrate des Alkohols (u.a. Inhaltsstoffe) höher, weswegen Rotwein also häufig gekühlt genossen wird.

Weißweine, aber auch süße Weine werden grundsätzlich gekühlt- zwischen 8 und 14 °C- getrunken. Auch hier gilt, dass durch die niedrigere Temperatur das Geschmacksempfinden verringert wird. Dadurch schmecken Weißweine, die häufig eine hohe Säure haben, angenehm frisch und nicht säuerlich.

Roséwein wird ähnlich wie der Weißwein gut gekühlt getrunken und das obwohl er- wie Rotwein- aus roten Trauben hergestellt wird. Das eigentliche vinifizieren läuft aber wie beim Weißwein ab, so dass es nur zu einer kurzen Liegezeit auf der Maische kommt. Dadurch werden also weniger Farb- und Inhaltsstoffe aus der Beerenhaut gelöst.

Ich kann Ihnen also nur empfehlen, kühlen Sie Ihren Wein und bedenken Sie dabei, dass bereits durch das Einschenken in das Glas der Wein um 1- 2 °C erwärmt wird. Übrigens eignet sich dafür hervorragend ein Weinkühlschrank, wo Sie je nach Ebene unterschiedliche Temperaturen einstellen können.

Viel Spaß bei Genießen und immer ein volles Glas!

Julia Bock

Das etwas andere Weihnachtsmenü

Kennen Sie das…Kurz vor Weihnachten, bekommt man Besuch und möchte, den weihnachtlichen Völlereien zum Trotz, etwas kochen. Möglichst leichte Küche- eben wegen jener Völlerei- aber trotzdem raffiniert. Und wenn wir schon dabei sind, sollte es möglichst wenig Arbeit machen.

Ich vermute, Sie kennen das. Nun, da hätte ich eine Lösung. Ein völlig unkompliziert zu kochendes 3- Gang- Menü. Natürlich mit den passenden Weinempfehlungen. Denn Sie wissen ja… das Leben ist zu kurz für schlechten Wein!

Hier also das Menü:

Linsenschaumsüppchen

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Schweinelende im Bergwiesenheu

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Karamellisierte Mango an Vanilleeis

Klingt doch toll, oder? Für alle die jetzt das Wörtchen „unkompliziert“ anzweifeln: Erst weiterlesen!

Das Süppchen kocht sich defacto von selbst. Sie nehmen rote Linsen- für 4 Personen nehme ich immer 500 g. Einfach eine Zwiebel klein schneiden und mit den Linsen kurz glasig dünsten. Anschließend mit einem Schuss Weißwein ablöschen. Geschmacklich geeignet ist der Frizzante Verdejo von Javier Rodriguez. Die leichten Zitronen- und Melonennoten, geben der Suppe eine angenehme Säure. Dann mit Brühe auffüllen- je nach Vorliebe Fleisch- oder Gemüsebrühe. Ca. 10 – 12 Minuten köcheln, pürieren, fertig. Und Sie haben eine hervorragende Vorspeise. Beim Wein, würde ich bei dem T- Sanzo Verdejo Frizzante bleiben. Bietet sich an, da sie Nuancen davon ja bereits in Ihrer Suppe wiederfinden.

Kommen wir zum Hauptgang:

Für 4 Personen brauchen Sie mind. 600 g von der Lende. Ggf. etwas mehr, weil es einfach zu gut schmeckt. Übrigens, wer sich geschmacklich noch etwas verbessern möchte, nimmt ein Rinderfilet. Zusätzlich brauchen Sie noch Bergwiesenheu, Brühe und Gemüse (Möhren, Lauch, Sellerie) für die Sauce.

Wenn Sie jetzt ein Dampfgarsystem haben- ich habe eins von Silit (da ist übrigens auch das Rezept angelehnt), sind Sie klar im Vorteil. Ansonsten eignet sich aber auch ein großer Topf mit passenden Siebeinsatz und Deckel. Sie betten jetzt die Lende auf das Bergwiesenheu (im Dämpf- oder eben Siebeinsatz), wenn vorhanden streuen Sie noch ein paar Kamillenblüten auf die Lende und decken Sie dann auch mit Bergwiesenheu zu.

Das benötigen wir gleich. Jetzt das Gemüse klein würfeln und im Bräter (bzw. dem Topf) anschwitzen. Ich lösche es immer mit einem Schuss Rotwein ab (hier z.B.  den Vall Sanzo Crianza von Javier Rodriguez). Dann wieder mit Brühe auffüllen, Dämpfeinsatz daraufsetzen, Deckel drauf und los geht’s. Wenn Sie ein Thermometer haben (bei Silit dabei) perfekt! Jetzt darauf achten, dass Sie eine Temperatur von 80- 90 °C erreichen und ca. 40 Minuten garen. In der Zwischenzeit können Sie die Beilage zubereiten. Dazu passen z.B. Kartoffeln und Zuckerschoten. Wenn es leichter sein soll, können Sie auch einfach einen Salat dazu reichen.

Während jetzt also die Kartoffeln und das Fleisch vor sich hin köcheln, könnten Sie die Suppe vorbereiten. Oder aber Sie haben die Suppe bereits früh oder am Vortag zubereitet und decken jetzt den Tisch, o.ä. Ich bereite alles immer so vor, dass das Fleisch ca. ein viertel Stunde vor Ankunft der Gäste aufgesetzt wird, die Kartoffeln geschält sind und mit Beginn der Vorspeise anfangen zu kochen. Auf diese Art und Weise ist alles auf den Punkt fertig und Sie müssen nichts groß warm halten.

Das Dessert bereiten Sie dann live zu. Im Vorfeld können Sie natürlich die Mango bereits in Würfel geschnitten haben. Es gehen natürlich auch andere Obstsorten. Z.B. Banane, Äpfel, Orangen,…

Erhitzen Sie Butter in einer Pfanne und geben Sie reichlich Zucker dazu. Der Zucker sollte gut mit Butter gesättigt sein. Warten Sie bis der Zucker beginnt zu karamellisieren und löschen Sie ihn dann mit einem Schuss Balsamicoessig ab. Anschließend mit Orangensaft auffüllen und die Mangos dazugeben. Kurz noch köcheln lassen.

Jetzt das Vanilleeis auf Teller verteilen und die noch warmen Mangos mit der Sauce dazu geben. Ein Gedicht! Hierzu würde ich auf jeden Fall einen Dessertwein nehmen oder- mein Favorit- der Scheus Traum von Köster- Wolf.

Guten Appetit! Schreiben Sie mir doch mal, wie es Ihnen gescheckt hat.

Bis bald und immer einen guten Wein wünscht Ihnen

Julia Bock

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