Fuß und Wein- Kann das sein? Anstoßen und andere Traditionen rund um den Wein und die Weinherstellung…

Wein und FußBevor ich mich kopf- oder bessergesagt „fuß-“ über zu Fuß und Wein äußere, sei mir eine kurze Hinführung zum heutigen Thema gestattet, das eigentlich von etwas anderem handeln sollte. Aber wie es so ist, entwickelt der Kopf eigene Ideen… nicht ganz unschuldig mag auch das dazugehörige Gläschen Wein gewesen sein…

Ich möchte an dieser Stelle also darauf hinweisen, dass uns Traditionen und Bräuche regelmäßig begegnen. Und einer der Ältesten steht ja nun auch bald wieder an. Wenn Sie mich fragen, dieses Jahr viel zu zeitig, denn bei mir liegt im Augenblick noch ein halber Meter Schnee- natürlich ungeschoben- in der Einfahrt. Wovon ich rede? Ostern… Ich weiß, die vielen hundert Osterhasen im Supermarktregal sollten mich darauf einstimmen. Tun sie aber nicht… Eigentlich wollte ich hier auch nicht über Ostern philosophieren, sondern mir sind Bräuche und Traditionen über den Weg „gelaufen“, vielmehr getwittert.

Zum einen das traditionelle Anstoßen mit Wein. Mit meinem Followern auf Twitter habe ich darüber schon ein paar mal gezwitschert. Allen anderen sei hier kurz erwähnt, dass das Anstoßen mit Wein auf eine seeehr lange Tradition zurückblickt. Begonnen hat es bereits bei den alten Griechen. Die waren nämlich der Meinung, dass Wein außer Auge, Nase und Mund auch noch die Ohren ansprechen sollte. Und wie geht das besser als mit wohlklingenden Gläsern… oder vielmehr Tonkrügen.

Im Mittelalter wurde der Brauch dann etwas abgewandelt. Hier sollte damit verhindert werden, dass man mittels vergifteten Weines umgebracht wird. Mit Krügen wurde damals kräftig angestoßen, dabei schwappte der Wein über und damit in den Krug des Mittrinkenden. Damit konnte zumindest ausgeschlossen werden, dass der Zechkumpan einen umbringen wollte. Durch die Vermischung trank dieser ja schließlich den gleichen Wein. Im Übrigen war das auch einer der Gründe, warum Herrschaften mit ausreichend Geld sich dann auch bald Gläser für den Wein anfertigen ließen. Darin konnte nämlich besser beurteilt werden, ob der Wein eventuell durch Gift verfärbt war.

Eine weitere Tradition- und zwar schon seit es Wein gibt- ist es, den Wein mit Füßen zu treten. Nicht nur im übertragenen Sinne sondern tatsächlich. Wir reden hier sozusagen von der traditionellen Weinherstellung oder auch dem Keltern. Bis heute findet man Winzer, die ihren Wein noch in Hand- oder besser gesagt Fußarbeit herstellen. Der entscheidende Vorgang bei der Weinerzeugung, das Auspressen der Trauben, wird heute üblicherweise durch Maschinen vorgenommen.  Bevor jedoch der Wein tatsächlich gekeltert wird, werden die Trauben als erstes Entrappt. Man nennt das auch Abbeeren. Das ist nichts anderes, als die Weintrauben von den Stielen zu lösen. Die enthalten nämlich zu viele Gerbstoffe und damit kann der Wein leicht zu bitter schmecken. Der zweite Schritt beim Keltern ist dann besagtes Zerreiben der Traube.

„Kelter“ kommt übrigens aus dem lateinischen calcatorium, was zu Deutsch nichts anderes als „mit dem Fuß treten“ bedeutet. Womit wir wieder beim Ausgangspunkt wären. Denn an dieser Stelle werden- wie bereits angedeutet- im Normalfall große Maschinen in Gang gesetzt um das Letzte aus dem Wein herauszuholen. Weitaus sanfter, um nicht zu sagen liebevoller ist dagegen das Keltern mit den Füßen. Hierbei verdichtet sich der Wein anders, was dann wohl eine positive geschmackliche Auswirkung hat. Wer mehr über das Verfahren des Kelterns wissen möchte, dem sei an dieser Stelle folgender Artikel von Herrn Würtz empfohlen: http://wuertz-wein.de/wordpress/2011/02/18/warum-weinmachen-eigentlich-ganz-einfach-ist/

Betont werden muss sicher nicht, dass eine Grundvoraussetzung für diese „fußlastige“ Herstellung des Weines saubere Füße sind… Bereits im 13. Jahrhundert wurde diese Reinlichkeit als Grundvoraussetzung postuliert. Wobei ich nicht unerwähnt lassen möchte, dass seit dem 16. Jahrhundert wiederholt schmutzige Füße als Problem festgestellt wurden sind bzw. schriftlich festgehalten wurden. Ich vermute aber, dass es dieses Problem auch schon vorher gab 😉 (Die ganze geschichtliche Wahrheit finden Sie hier.)

Heute können Sie jedoch davon ausgehen, dass das Reinlichkeitsgebot eingehalten wird bzw. werden muss. Machen Sie sich also keine Sorgen um „Fußspuren im Wein“… sie sollten sauber sein. 😉 Wer mir mal einen „selbstgetretenen“ Wein zur Verkostung anbieten möchte… sehr gern! Ansonsten interessiert mich natürlich Ihre Meinung zum Thema Fuß und Wein und ich freue mich auf Ihre Kommentare!

Weinhaltige Grüße

Julia Bock

Wie schmeckt Wein eigentlich? Teil II- Der Geruch

Weinverkostung- Der Geruch

Weinverkostung- Der Geruch

Im letzten Blog hatte ich mich ja schon ausführlich über die Färbung eines Weines ausgelassen. Sie wissen, dass die Färbung uns bei einer Weinverkostung eine Menge über den Wein erzählt. Z.B. wie alt er ist bzw. wie der Reifezustand des Weines ist, ob der Wein viel oder wenig Alkohol enthält und manche Profis können wohl sogar auf die Rebsorte schließen.

Nachdem wir uns nun aber den Wein mehr als nur ausführlich angesehen haben, stellt sich bei der Verkostung als nächstes die Frage:

Wie riecht der Wein?

Dabei schauen bzw. besser gesagt „erriechen“ wir als erstes die Duftintensität und prüfen danach, nach welchen Aromen der Wein riecht. Der Duft des Weines bestimmt maßgeblich, ob uns ein Wein schmeckt oder nicht. Wer schon beim Riechen die Nase rümpft, sollte sich einen anderen Wein aussuchen. Wenn Sie Weinkennern schon einmal zugehört haben, haben Sie vielleicht schon mal Aussagen gehört wie: „der riecht nach Pferdesattel“, „Kräutergarten“, „frisch gemähten Gras“ oder „Achselschweiß“.  Jetzt bitte nicht den Kopf hängen lassen. Sie müssen das nicht riechen können. Aber vielleicht erkennen Sie ja auch nassen Hund, den Geruch eines schlafenden Kindes oder einfach Pfirsich. Oder Sie stellen fest „der riecht gut“. Dann ist alles bestens.

Grundsätzlich wird der Geruch in 12 Hauptaromen unterteilt, die dann wiederum weiter differenziert werden. Insgesamt bis zu 4.000 einzelne Geruchsnoten kann der Mensch unterscheiden. Die Zunge dagegen unterscheidet gerade mal 5 Hauptrichtungen- süß und salzig, bitter und sauer und das obligatorische herzhaft- fleischig (Fachbegriff: umami). Den Rest, den wir scheinbar schmecken nimmt eigentlich unsere Nase war und zwar dann, wenn sich die Luft im Mundraum erwärmt und so die Weinaromen freisetzt. Mit der Atemluft kommen diese dann in die Nase und werden vom Gehirn verarbeitet. Die Fachleute sprechen hier übrigens vom retronasalen Geruch, weil er in der hinteren Nase wahrgenommen wird. Das ist einer der Gründe, warum Sie mit Schnupfen gar nicht erst Wein trinken geschweige denn Wein verkosten brauchen. Die Geruchszellen nehmen nichts auf oder besser gesagt der Schnupfen versperrt den Aromen den Zugang zu den Geruchszellen und so schmeckt eigentlich fast jeder Wein einfach nur fad. Das trifft dann im Übrigen auch für fast alle anderen Getränke und Gerichte zu.

Wie aber nun vorgehen, wenn es um eine Verkostung geht?

Am besten definiert man als erstes, wie ausgeprägt der Duft des Weines ist. Das beginnt mit schwach oder dezent duftend über eine mittlere Duftintensität- die wird in der Regel als sehr angenehm empfunden- bis hin zu einem intensiven, explodierenden Dufterlebnis.

Bevor Sie den Wein schwenken, riechen Sie erst einmal so an dem Wein. Denn nach dem Schwenken gehen bereits die ersten Eindrücke verloren. Da sind Verbindungen im Wein, die extrem flüchtig sind. Danach wird das Glas geschwenkt. Damit holen Sie die „tiefer“ liegenden Aromen an die Oberfläche. Wenn Sie jetzt noch einmal an dem Wein riechen, dann werden Sie ganz andere Noten wahrnehmen als vorher. In der dritten und letzten Phase des Riechens- also der sogenannten olfaktorischen Weinprobe- lassen wir dem Wein wieder etwas Zeit sich zu erholen und riechen dann noch einmal an ihm. Einige Weine haben jetzt einen anderen Geruch als zu Anfang. Das liegt einfach an dem Einfluss des Sauerstoffs. Bei manchen Weinen riecht man jetzt aber wieder die gleichen Aromen wie in der ersten Phase. Sie können jetzt das Glas noch unterschiedlich neigen und die Auswirkungen auf den Geruch begutachten.

Dabei sollten Sie jetzt versuchen die Aromen des Weines zu identifizieren. Im Wesentlichen kann man jetzt unterscheiden zwischen blumig und fruchtig, würzig oder Holzaromen, vielleicht riechen Sie aber auch Tieraromen wie Bienenwachs oder aber eben jenen Pferdesattel. Sie können aber auch Grass, Tabak, Erde oder Pilze riechen. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Sollten Sie aber einen chemischen oder gar Korkgeruch wahrnehmen, dann ist Vorsicht geboten. Das sind in der Regel Indizien dafür, dass der Wein mangelhaft ist.

Lassen Sie sich also nicht von wohlklingenden Formulierungen abschrecken. Überlegen Sie, was Sie wahrnehmen. Wenn Sie feststellen, dass der Wein nach Blumen riecht, haben Sie schon den ersten Schritt getan. Im zweiten Schritt können Sie dann überlegen, nach welcher Blume er duftet. Und wenn Sie es nicht herausbekommen, ist es auch nicht schlimm. Ehrgeizigen Weintester sei hier nochmals „Le Nez du Vin“ empfohlen oder Sie schauen sich mal das Weinaroma- Rad an. Hier gibt es auch Tipps, wie man sich seine eigenen Geruchsreferenzen erstellt (Seite 10).

Bedenken Sie beim „Erschnüffeln“ des Weines während einer Weinverkostung einfach, dass der Geruch viel mehr schmeckt als der Mund. Ohne Nase und damit Geruch können wir auch nicht schmecken. Der Geschmack ist sozusagen vom Geruch abhängig. Umso wichtiger ist es also, dass Sie sich ausreichend Zeit für das Riechen am Wein nehmen sollten. Und wie immer beim Wein gilt die Regel, was Ihnen schmeckt oder in dem Fall gut riecht, ist wahrscheinlich genau das Richtige für Sie.

Probieren Sie es doch einfach aus und erzählen Sie mir doch mal, wonach Ihr letzter Wein so gerochen hat.

Weinhaltige Grüße

Julia Bock

Wie Wein verkosten Spaß macht

Egal ob Weinverkostung oder einfach nur Genießen... Wie man ein Weinglas richtig hält

Egal ob Weinverkostung oder einfach nur Genießen… Wie man ein Weinglas richtig hält

Ihr kennt doch sicher alle die Parodien auf Weinverkoster? Laut schmatzend, schlürfend und dabei sinnierend wonach der Wein schmeckt… Meistens in etwa so: „intensiv und komplex in der Nase“, „am Gaumen kräftig, aber elegant“, „er hat eine erstaunliche Frische und Persistenz“ oder „es vereinen sich reife Früchte mit Nuancen von balsamischen Tönen, Schokolade und gerösteten Spuren“. Also ich muss immer schmunzeln, wenn ich so etwas höre. Die Beschreibungen wonach ein Wein so schmecken muss und soll, sind natürlich nicht nur frei erfunden, sondern beruhen auf den Sinneseindrücken, die der  jeweilige Verkoster hat. Alle die jetzt den Kopf schütteln und sagen noch nie einen Wein getrunken zu haben, der nach Schokolade schmeckt oder riecht, kann ich beruhigen. Erstens ist es völlig unerheblich, ob Sie alle Geschmacksnuancen aus dem Wein herausschmecken. Wichtig ist nur ob er ihnen schmeckt oder eben nicht. Geruch und Geschmack definieren zu können ist etwas, was sich langsam entwickelt und in aller Regel Jahre braucht. Hilfreich hierfür- wenn man es den tatsächlich möchte- ist eine kleiner Riechkasten. Nennt sich „Le Nez du Vin“. Darin enthalten sind verschiedene kleine Fläschen mit unterschiedlichsten Aromen, die man sich dann vor die Nase hält (nicht unmittelbar darunter, sonst riecht  man nachher nichts anderes mehr!) und mit einem Wein vergleichen kann. Das gibt es sowohl für Weißwein als auch für Rotwein und in unterschiedlichen Mengen. Angefangen bei 12 Aromen bis hin zu 54. Das gleiche gibt es dann auch  nochmal für sogenannte „Fehlaromen“. Also wonach ein Wein nicht riechen darf.

Ich schweife aber ab… mal wieder. Was ich eigentlich schreiben wollte war, dass man das Weintrinken auch nicht zu ernst nehmen darf. Immerhin reden wir hier von Genuss. Ich gebe gern Geld aus für Wein der mir schmeckt. Ich hatte schon einmal angeführt, dass das nicht zwingend ein Wein für 20 € oder mehr sein muss (hier). Er muss schmecken, sauber produziert sein (also keine industrielle Massenproduktion) und Spaß machen. Wie Wein Spaß macht? Sie waren noch nie mit meinem Vater Wein trinken 😉 Ich erinnere mich noch allzu gut, als ich darüber belehrt wurde, wie man ein Weinglas richtig hält. Ich war glaube ich 16 (lang ist’s her ;-)) Nicht am Glas anfassen…  Ist klar. So vermeidet man hässliche Fingerabdrücke und das man den Wein übermäßig erwärmt. Aber bitte schön auch nicht am Fuß. Nicht mal zum schwenken! Warum? Na, das wurde mir- wenn auch unbeabsichtigt- gleich praktisch demonstriert. Dabei kann man das Weinglas nämlich leicht verkanten- z.B. beim Schwenken- mit dem Erfolg, dass man den Wein verschüttet. Hat mein herzallerliebster Papa dann auch gleich demonstriert. Hatte ich erwähnt das wir in einem Restaurant saßen irgendwo in Frankreich- also dem Weinland schlechthin. Meine Schwester und ich haben uns halb schlapp gelacht und es war sehr einprägsam! Also Fazit des heutigen Blogs, Glas am Stiel anfassen, beim Weintrinken Spaß haben und von allzu blumigen Beschreibungen nicht irritieren lassen! Ich würde mich freuen, wenn Sie mir Ihre Erlebnisse bei Weinverkostungen erzählen!

Wohl bekomm‘ s!

Julia Bock

 

P.S. Ein paar Beispiele für „Le Nez du Vin“ gibt es hier:

Le Nez du Vin „Weißweine“ mit 12 Aromen

Le Nez du Vin „Rotweine“ mit 12 Aromen

Le Nez du Vin „Fehlaromen“

oder wer gleich etwas größer einsteigen will:

Le Nez du Vin Set „Rot & Weiß“ mit 24 Aromen

oder für alle mit richtig großen Ambitionen

Le Nez du Vin „Großes Modell“, mit 54 Aromen

Ich persönlich empfehle euch mit dem Rot- Weiß- Set (24 Aromen) anzufangen. Da sind alle wichtigen Grundaromen enthalten. Die Fehlaromen und auch das große Modell mit 54 Aromen ist dann wirklich für die Fortgeschrittenen oder Profis und in meinen Augen kein must have.

 

Javier Rodriguez: Ein Spanier und seine Weine- Sanzo Verdejo Frizzante und Sanzo Tempranillo Frizzante

Frizzante

Frizzante… die spanische Antwort auf Prosecco. Die besten Beispiele für spanische Lebensart Sanzo Verdejo Frizzante und Sanzo Tempranillo Frizzante.

Heute möchte ich Ihnen mal zwei Weine von dem Spanier Javier Rodriguez vorstellen. Und zwar den Verdejo Frizzante und den Sanzo Tempranillo Frizzante. Ein kleines Verkostungsvideo finden Sie auch hier für den Sanzo Verdejo Frizzante und den Sanzo Tempranillo Frizzante.

Fangen wir am Besten damit an, warum ich diese Weine für die Verkostung ausgewählt habe. Das ist eigentlich ganz einfach und hat mehrere Gründe.

Grund Nummer 1: Ich liebe klar strukturierte und trotzdem vielschichtige Weine, die leicht trinkbar sind ohne das Gefühl zu hinterlassen, morgen das letzte Glas Wein zu bereuen.

Grund Nummer 2: Ich bin immer auf der Suche nach Weinen die ein gutes bis sehr gutes Preis- Leistungs- Verhältnis haben. Warum soll man immer viel Geld für einen „nur“ guten Wein bezahlen, wenn man für weniger Geld einen sehr guten bekommen kann? Beide Weine gibt es bereits ab 4,50 €.

Grund Nummer 3: Der Winzer der heutigen Weine- Javier- Rodriguez- ist Spanier- hört man schon ;-)- und ist im Augenblick einer der Angesagtesten. Wenn das kein Grund ist den Wein mal zu verkosten.

Der vierte und letzte Grund für die Verkostung ist, dass es bisher weltweit keinen Verdejo Frizzante gibt und Javier Rodriguez somit den ersten Verdejo Frizzante geschaffen hat. Mit immerhin 88 Parkerpunkten und 91 Guía Penin Punkte ist er auch bestens bewertet.

Sie sehen, vier gute Gründe den Wein bzw. die Weine zu verkosten.

Fangen wir mal mit dem Verdejo Frizzante an. Frizzante ist sozusagen die spanische Alternative zu Prosecco. Wie ich an anderer Stelle schon mal erklärt hatte, bedeutet Frizzante, dass der Wein halbschäumend ist. Also nicht so stark perlend, wie z.B. ein Sekt.

Die Rebsorte ist Verdejo, eigentlich die bekannteste spanische Rebsorte und schmeckt immer sehr fruchtig. Angebaut wird der Wein im spanischen Weingebiet Castilla y Léon, speziell in Tierras- nördlich von Madrid. Da der Boden dort sehr karg ist, werden zwar keine riesigen Erträge gemacht. Dafür haben die Weine meistens einen mineralischen Geschmack. Die Traube ist sehr sauerstoffempfindlich und so findet die Weinlese in der Regel Nachts statt.

Javier Rodriguez ist einer der angesagtesten spanischen Winzer. Er hat schon für viele große und namenhafte Weinhäuser- wie z.B. Lafite Rothschild- gearbeitet. Er ist sehr gründlich- manche sagen fast schon pedantisch- was die Analysen der Bodenbeschaffenheit angeht. Dabei sammelt er Informationen zu physikalischen und chemischen Eigenschaften der verschiedenen Bodenschichten, die für die optimale Entwicklung der Trauben relevant sind.

Nach dem Vorgeplänkel fangen wir mal mit der eigentlichen Verkostung an:

Beim Öffnen fällt bereits auf, dass der Frizzante angenehm feinperlig schäumt. Wenn man sich dann ein Glas eingießt, stellt man fest, dass der Wein die für die Verdejo- Traube typische hellgelbe, fast schon leicht grünliche Färbung hat. Ein junger, sprudelnder Wein. Geruchlich erinnert der Verdejo Frizzante stark an den Sommer mit seinen Zitrusfrüchten. Mit ein bißchen Fantasie kann man sich jetzt vorstellen, wie es ist mit diesem Wein und ein paar guten Freunden auf der Terasse zu sitzen und nach einem gelungenen Tag einfach nur noch zu Genießen und zu Plaudern.

Geschmacklich wird das geruchliche Versprechen fortgesetzt. Der Verdejo Frizzante ist ein angenehm leichter Wein, der nach exotischen (Maracuja) und Zitrusfrüchten schmeckt. Richtig schön fruchtig frisch! Er hat eine angenehme Kombination von Säure und Süße. Das wird erreicht da, die Gärung gestoppt wird, sobald 24 g Zucker erreicht hat. Das merkt man auch an dem niedrigen Alkoholgehalt von gerade mal 10%.

Empfehlen würde ich den Wein sowohl als Aperitif als auch zum Essen, speziell zu Reis- und Fischgerichten oder einem Dessert.

Als zweiten Wein habe ich mir sozusagen den „Zwilling“ vorgenommen und zwar den Sanzo Tempranillo Frizzante. Der Wein wird aus der Tempranillo- Rebe gewonnen. Sie ist eigentlich die bekannteste rote Traube Spaniens. Für den Sanzo Tempranillo Frizzante wird sie im Valle del Duero angebaut. Die Weinberge befinden sich im San Roman de Hornija und sind ca. 650m- 700 m hoch.

Beim Öffnen fallen ebenfalls wieder die kleinen Bläschen auf. Der Sanzo Tempranillo Frizzante zeigt eine außergewöhnliche Erdbeerfarbe. Und bereits beim Riechen stellt man die angenehmen Rosen- und Kirscharomen fest. Ein wirklich hervorragender Wein, den ich nur wärmstens empfehlen kann! Geschmacklich überzeugt er durch die Kirschnoten. Beim Trinken sollten Sie sich einfach mal eine Schüssel voll mit reifen roten Kirschen und Himbeeren vorstellen, von der Sonne leicht angewärmt und sie werden feststellen, dass der Sanzo Tempranillo Frizzante genau nach diesem Sommer schmeckt. Der Rosé hat sogar noch weniger Zuckergehalt (22g/l) als der Verdejo Frizzante. Er hat dadurch ebenfalls einen angenehm niedrigen Alkoholgehalt (9,5%). Sehr süffig! Lecker, einfach als Aperitif, zu leichten mediterranen Essen oder einfach in einer geselligen Runde. Die Experten hat er mit 90 Parkerpunkten überzeugt. Mich ebenfalls!

Beide Weine- sowohl der Verdejo Frizzante als auch der Sanzo Tempranillo Frizzante– sind wunderbar süffig und erinnern an den kommenden Sommer. Für mich besonders angenehm, dass sie so leicht sind. Die Kohlensäure füllt den Mund nicht unangenehm aus, sondern sprudelt angenehm. Beide Weine sind fruchtig frisch. Weder zu süß noch zu viel Säure. Genau richtig, super! Das schmeckt nach mehr! Und nachdem ich am Ende des Blogs bin, kann ich mir das mehr auch gönnen! 😉 Fehlt bloß noch die Entscheidung, von welchem ich mehr trinke- rosé oder weiß… oder doch lieber beide? Mal sehen.

Und jetzt sind Sie dran. Schreiben Sie mir doch mal, wie Ihnen die beiden Weine geschmeckt haben. Werden Sie auch an den Sommer erinnert? Ich würde mich freuen von Ihnen zu hören!

Weinhaltige Grüße

Julia Bock

P.S.: Die Flaschen sind übrigens so formschön, die können Sie auch gut für Kerzen oder einzelne Blumen verwenden.

Aldi- Sekt, Lidl- Wein, Edeka- Champagner… Discounter- Wein kaufen: lecker oder Iih- Bäh?

Kann man Sekt und Wein von Aldi, Lidl und anderen Discountern wirklich trinken?

Kann man Sekt und Wein von Aldi, Lidl und anderen Discountern wirklich trinken?

Beim heutigen Einkauf schwankte ich kurz zwischen Mitleid, einem Herzinfarkt und einem kräftigen Iih- Bäh… Warum? Na, ich durfte beobachten, wie eine Dame mittleren Alters sich erst eine Weile vor dem Weinregal bei Aldi hin und her bewegte, um dann schlussendlich den Sekt Stolzenfels zu nehmen, 2,59  €- achso, natürlich gleich eine ganze Kiste. Eigentlich bin ich frei von Vorurteilen… eigentlich. Aber im Discounter Wein kaufen…

Da ich aber grundsätzlich bereit bin zu lernen, habe ich mich entschlossen den Aldi- Sekt einfach mal zu kosten. Das klingt jetzt einfacher als es war. Ich gebe ehrlicherweise zu, dass mir das nicht so leicht fiel. Na um genau zu sein, habe ich erst eine Runde durch Aldi gedreht um mir auch wirklich sicher zu sein, dass niemand da ist, der mich kennt und das eventuell beobachtet. Niemand da- Gott sei Dank, dann schnell bezahlt und raus. Eigentlich gibt es mehrere Gründe, warum ich beim Discounter keinen Wein kaufe. Vielleicht fangen wir mal damit an, dass ich jedem Verkäufer- egal ob Discounter oder nicht- misstraue, der Weine für 1,99 € VERkauft. Das heißt, der Einkaufspreis liegt wahrscheinlich bei 0,75 €- 1,00 €. Die Frage, die sich mir und wahrscheinlich auch jedem anderem Weintrinker stellt ist, was für ein Zeug soll dort drin sein??

Naja, vielleicht sollten wir auch einfach mal festhalten, dass es sich hierbei um industrielle Landwirtschaft und Massenproduktion handelt. Der zweite Grund ist, dass ich billig- billiger- am billigsten einfach nicht gut finde. Sprich genauso, wie der Milchbauer einen ordentlichen Ertrag machen soll, so dass er leben kann ohne darüber nachdenken zu müssen, wo er seine Butter herbekommt. So sollte in meinen Augen auch der Winzer einen vernünftigen Ertrag haben. Immerhin arbeitet der Landwirt i.d.R. 365 Tage im Jahr. Versteht mich nicht falsch: ich trinke auch nicht jeden Tag 20 €- Weine, dann eher Weine zwischen 4 € und 6 €. Und genau hier beginnt die Crux. Denn wenn man im Discounter einen halbwegs vernünftigen Wein haben möchte, dann sollte man auch schon diesen Betrag ausgeben. Dabei will ich die Discount- Weine per se gar nicht verteufeln. Der Chateauneuf- du- Pape, den Aldi, Lidl & Co immer mal wieder anbieten- für immerhin 9,99 €, ist trinkbar, mehr aber auch nicht. Wobei man natürlich festhalten muss, dass man den Aldi-/ Lidl- Chateauneuf- du- Pape auf keinen Fall mit einem der Weine von Weltruf vergleichen kann. Nichts desto trotz, trinkbar, auch wenn die 10 € in einen Alta Expression Lacrimus Reserva sicher besser investiert sind. Das ist zwar ein Spanier, aber für mich im Vergleich zu dem Discount- Wein eindeutig die besser Wahl. Wenn‘ s ein preiswerter Chateauneuf- du- Pape sein soll, dann doch eher ein L‘ Oratoire. Da gibt es dann auch keine Enttäuschung bei Weinanfängern, was man für 9,99 € so im Glas hat.

Nun aber zur Sache… Den Aldi- Sekt habe ich gut gekühlt und dann einfach mal aufgemacht. Ok, man soll ja mit dem Positiven anfangen. Optisch eine blässlich hell- gelbe Färbung, stark perlend. In der Nase sind leichte Apfelnoten, also eigentlich ganz angenehm. Geschmacklich ist der Stolzenfels für gerade mal 2,59 € auch in Ordnung. Mir persönlich etwas zu farblos und zu stark prickelnd, aber ansonsten ein sauberer Sekt. Für Wein-/ Sekttrinker ohne größere Ansprüche kann ich diesen Sekt durchaus empfehlen. Vor allem, wenn man ihn als Aperitif reicht. Z.B. als Kir (Sekt mit einem Schuss Casis- ein Likör, den es mit oder ohne Alkohol gibt). Für Mixgetränke ist er auch gut geeignet, hier will man ja in aller Regel v.a. den „Sprudel“.

Ich persönlich möchte ihn nicht unbedingt trinken- aus den oben bereits angeführten Gründen. Ohne Frage trifft man auch bei den deutlich preisintensiveren Weinen im Fachhandel auf sehr schwache Weine. Nur der Durchschnitt ist eben deutlich besser. Wen das noch etwas ausführlicher interessiert, dem kann ich den Weinbeobachter empfehlen. Uwe Köster hat sich ebenfalls mit Aldi- Wein und Co befasst.

Weinhaltige Grüße!

 

Julia Bock

Wie schmeckt Wein eigentlich? Teil I: Das Aussehen

Die Frage müsste der Vollständigkeit halber lauten: Wie schmeckt, riecht, sieht und fühlt sich Wein eigentlich an. Denn, Wein trinken ist ein Erlebnis aller Sinne. So poetisch es klingt, so war ist es.

Als erstem wesentlichem Punkt widmen wir uns dem Glas: Ihr solltet zwingend ein klares, durchsichtiges und möglichst dünnes Glas verwenden, um die Farbe optimal zu begutachten. Am Rande bemerkt, sollte das Glas auch eine gewisse Größe aufweisen, damit wir nachher auch den Geruch richtig gut beurteilen können. Zweiter Punkt an dieser Stelle: Verwendet unbedingt ein Glas mit Stiel. Sonst verändert eure Hauttemperatur nämlich die Weintemperatur.

Als erstes „nähert“ man sich dem Wein ja optisch. Also, welche Farbe hat er. Wenn wir uns jetzt klassischer Weise einen Rotwein vorstellen, lautet die einfachste Antwort „rot“. Schaut man dann genauer hin, hält man den Wein gegen das Licht und schwenkt ihn schon mal ein klein wenig im Glas, so werdet ihr feststellen, dass der Begriff „rot“ zu kurz gegriffen ist.

Am besten schaut ihr als erstes von schräg oben in das Glas und schaut euch an, wie stark ausgeprägt die Färbung ist, ist der Wein klar oder eher trüb… Um also beim Beispiel Rotwein zu bleiben: Ist es ein kräftiges oder eher blasses Rot, funkelt es, welche Tönung hat es, Rubinrot oder eher wie dunkle Beeren leicht violett. Ist der Rotton stark gesättigt oder mehr transparent… Die Liste ließe sich jetzt noch endlos fortsetzen, aber das würde dann wahrscheinlich den Blog sprengen. 😉

Anhand der Farbe könnt ihr bereits viele Fakten über den Wein sammeln. Ihr könnt- ich gebe zu mit viel Übung- zum Beispiel erkennen, ob der Wein oxidiert ist (dann ist er bräunlich gefärbt) oder sogar verdorben. Problematisch wird bei der Färbung aber die „Werbung“. Vielfach wird propagiert, dass der Rotwein dunkel gefärbt sein muss, um gut zu sein. Das dem nicht so ist, könnt ihr euch denken, wenn ich euch sage, dass Winzer durchaus in der Lage sind, den Farbton ihrer Weine zu- sagen wir mal- „korrigieren“.

Wenn ihr wirklich gut die Qualität eines Weines anhand der Farbe beurteilen wollt, dann schaut euch die Farbqualität und die Reflexion an. Wie bei jedem „Lebewesen“ setzt auch beim Wein der Verfall ein und zwar ab seiner Geburt. Das kann beschleunigt werden, z.B. durch falsche  Lagerung, unsachgemäßen Transport etc. Dementsprechend verändert sich natürlich auch die Färbung des Weines. Er verliert dann an Tiefe und sieht irgendwie müde aus. Außerdem verliert die Färbung an Intensität. Richtig gute Weine dagegen haben eine sehr hohe Farbdichte und zwar völlig unabhängig davon ob sie klar sind oder eher matt. Hat der Wein eine Trübung, so kann das entweder ein unfiltrierter Wein sein (eher selten) oder er ist mikrobakteriell verunreinigt. Das merkt ihr dann aber nicht nur am Aussehen, sondern auch am Geruch und am Geschmack. Wenn dem so ist, nehmt euch ein Herz und kippt das Zeug weg! Denn ihr wisst ja, das Leben ist zu kurz für einen schlechten Wein! Kein Problem dagegen ist, wenn der Wein eine Depotbildung- also Bodensatz- oder Weinkristalle aufweist. Dann braucht ihr den Wein nur dekantieren (in eine Karaffe umfüllen).

Am besten erkennt ihr die Farbdichte, wenn ihr euer Glas schräg gegen sanftes, indirektes Licht haltet. Also schaltet die Deckenfluter aus und zündet euch eine Kerze an. Direktes Sonnenlicht ist im Übrigen genauso ungeeignet wie eine Halogenlampe.

Anhand der Farbdichte könnt ihr auch das Alter eines Weines beurteilen. Rotweine nehmen in aller Regel an Farbintensität ab, während Weißweine zunehmen. Rotweine werden gerade zum Glasrand hin also heller. Wenn ihr also einen Rotwein von dunkelroter, fast violetter Farbe habt, dann seit ihr dabei einen jungen Wein zu verkosten. Im Alter nimmt er dann ein Farbspektrum von (ziegel-)rot bis braunrot ein. Ist der Wein sehr bräunlich, dann wisst ihr ja bereits, dass ihr aufpassen müsst, da der Wein ggf. oxidiert sein kann. Beim Weißwein wie gesagt, ist der Prozess genau umgekehrt. Sie werden dunkler. Ein sehr hellgelber, manchmal fast schon grünlicher Ton weist also auf einen jungen Weißwein hin. Je älter der Weißwein wird, desto mehr geht die Färbung in eine bersteinfarbene Richtung.

Was ihr in dem Zusammenhang auch ansehen könnt, ist die Viskosität des Weines- also die Zähflüssigkeit. Man spricht hier von öligen bis hin zu dünnflüssigen Aggregatszuständen. Eine hohe Viskosität haben Weine mit einem hohen Zucker- oder auch Alkoholgehalt, was u.a. bei den Trockenbeerenauslesen der Fall ist. Wie zähflüssig der Wein ist, erkennt ihr, daran wie schnell der Wein nach dem Schwenken an dem Glas „hinunterläuft“. Aus dem herablaufenden Wein bilden sich die sogenannte Kirchenfenster oder Tränen. Je nachdem wie groß der Abstand zwischen diesen Tränen ist- also eng oder weit, leitet sich die Viskosität des Weines ab. Sind die Kirchenfenster oben eher spitz, also der Abstand zwischen den Tränen gering, dann hat der Wein einen relativ hohen Alkoholgehalt. Niedriger ist er, wenn die Kirchenfenster eher im Rundbogenstil laufen. Dazu möchte ich aber noch anmerken, dass sich hier die Experten über die Sinnhaftigkeit dieser Methode streiten, denn sie ist natürlich nicht allzu genau.

Also fassen wir zusammen:

Je besser der Wein, desto klarer ist er und desto weniger Schwebstoffe hat er.

Je komplexer, funkelnder die Färbung, desto höher ist die Weinqualität.

Je älter Rotwein wird desto mehr nimmt die Farbintensität ab und je älter Weißwein wird desto mehr nimmt die Farbintensität zu.

Nehmt euch am besten heute Abend ein Glas Wein, zündet eine Kerze an und sinniert über das Farbspiel des Weines.

Viel Spaß dabei und weinhaltige Grüße

 

Julia Bock

 

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