Ragusa, jede Menge Sehenswürdigkeiten und Wein

Tag 19: 10.09. Ich werde älter

Feigenkaktus

Oben links: Die Früchte vom Feigenkaktus sind gut gegen Diabetes (aber nur geschält essen 😉 ) Mitte rechts: westlichste Vorposten der damaligen Millionenstadt Syracusa in Palazzolo Acride… Wahnsinn!

Es lässt sich nicht verleugnen..ich bin älter geworden. Wenn ich vor 10 Jahren paar Tage trainiert habe, war ich richtig fit. Das bin ich derzeit auch, aber auf einem niedrigeren Niveau. Heute haben mich die 60km mit 1200 Höhenmetern brutal geschafft. Ok, es war warm, aber ich musste erstmal 2 Stunden relaxen, bevor es zum Aperitif ging. Also morgen mal ne Trainingspause mit der Hälfte von heute.
Heute ging es von Ragusa ins Ibleï-Gebirge rein, zum westlichsten Vorposten der Millionenstadt (damals!) Syracusa… irgendwann um 600 v.Chr. gegründet. Die Stadt Palazzolo Acreïde hatte dann die gleichen Probleme mit den Kathagern und wurde erst wieder von den Römern aufgebaut.
Beeindruckend karg-schön ist die Landschaft, die Grundstücke jeweils immer mit kleinen Mauern eingehaust, wie auch auf kroatischen Adriainseln zu finden. Wärme, Trockenheit, Steine lassen eben noch Kühe weiden sowie Oliven und Wein wachsen. Ergo, viele Häuser und Grundstücke auch hier zum Verkauf. Die Jugend will in die Städte oder den Norden, die Alten bleiben – ein typisch sizilianisches Problem.
Insgesamt jedoch eine schöne, herausfordernde Tour mit dem sehr schönen Duft der Pinien, wie sonst nur im Frühling auf Mallorca (im Herbst war ich noch nicht!) oder im Südfrankreich.

Ein erstes Fazit in Ragusa

Ich will mal ein kurzes Sizilien-Resümee anstrengen: Wir vernachlässigen diese Insel zu Unrecht! Sie hat wunderbare Landschaften, die Bade-Onkels und -Tanten finden tolle Strände (nicht die typical italian lidos!!!) und es gibt Kultur im Übermaß. Dazu scheint es preiswerter als andere typische Urlaubsorte. Man sollte jedoch auch an der richtigen Stelle die Augen zumachen können – der Umgang mit Abfällen ist differenziert und die Vorstädte sind oft das kalte Grauen. Aber die Menschen sind zutiefst liebenswürdig, hilfsbereit und gehen lächelnd durchs Leben.

Einfaches Essen

Ragusa

Einfaches und ordentliches Essen unten rechts: Ragusa Ibla- die Altstadt mit 25 Kirchen

Und heute mal ein einfaches Essen in Ragusa:
Zum Aperitif paar schöne Bruschetta, dazu Salumi tipico und ein wunderbar braun gereifter sizilianischer Ricotta. Als Primi ganz einfache Spaghetti Aglio Olio mit getrockneten Tomaten und dann ein Stück von dem Schweinchen mit Apfel und Tomatensalat, dazu ein einfacher Nero…noch Fragen?

Fragen und Antworten

Ok., ich hab welche…
Die Nummer mit dem schinken-umwickelten Schweinefilet kennen wir. Die karamellisierten Apfelscheibchen, die es hier in Ragusa dazu gab, gehören künftig einfach dazu… und ihr Oberköche (naja zumindest einer liest das ja), der am besten dazu passende Apfel wäre der Schweizer Glockenapfel aus der biologischen „Obschdbaumwiese“ meines Schwiegervaters und lieben Freundes Walter… Da geht nix drüber, weil er einfach die fehlenden astringierenden Säurenoten auch beim karamellisieren einbringt. Und nix da mit den üblichen Grünäpfeln der Sterneköche.

Und zur Krönung dazu ein brutal einfacher Nero. Der trockene Riesling hätte es wohl verfeinert, aber der Nero hat oifach sei Ding gmacht…
Das wars dann an kulinarischen Einlassungen zum absoluten Einfachgericht. Nur noch so viel: das Schwein war gut und rosé gebraten und kein Billig- Aldi/Lidl/Kaufland-Filet für 10.-€ pro 3 Kilo!

Tag 20: 11.09. Die Regelmässigkeit des Unbekannten

Modica

Modica- Barockstadt mit Schokolade und jeder Menge Treppen zum Radtragen

Die Tage legen sich aneinander, bei allem Unbekannten gibt es Regelmässigkeiten. Ich ruhe dann doch schon ganz gut in mir, so dass sich erste Gedanken an die Gestaltung der Heimreise breit machen. Immerhin muss ich ja Unterkünfte planen und ein wenig Voraus buchen.
Aber noch stehen tolle Dinge vor mir und genau deshalb habe ich heute eine kleine 40km/600Hm-Ausruhtour von Ragusa nach Modica und dann ins Ibleï-Gebirge geplant und entspannt umgesetzt. Ich war noch ziemlich fertig von gestern, aber da morgen ein Ruhetag ist vor der Etnatour, war das genau richtig. Insgesamt ist nicht viel zu sagen, schöne Tour, kleiner Tomaten-Brot-Salami-Imbiss, dann ein kleines Schläfchen und das Gepäck anders organisiert, damit ich in die letzten 5 Unterkünfte weniger Taschen schleppen muss. Im Übrigen habe ich ca.2/3 zu viel mitgenommen. Und ich dachte schon ich habe mich schon beschränkt – ein guter Test, falls nochmal eine größere Tour auch über längere Zeit ins Haus steht.

Korrekturen und Ergänzungen

Noch ein paar Korrekturen und Ergänzungen: Ragusa Ibla hat nicht 16 sondern 25 Kirchen und ist einen Ausflug wert. Die Meerenge bei Messina trennt das Tyrhenische und Ionische Meer – es bleibt aber, dass beide einen Höhenunterschied von 50cm haben und deswegen die nicht ganz ungefährlichen Strudel entstehen. Und zur historischen Einordnung: auf der Landseite gibt es den Ort Scylla und auf der Inselseite Charibdis…funkst? Das sind die beiden Monster, die in der griechischen Mythologie so viele Schiffe verschlungen haben, wenn man unaufmerksam war.
Und hier beginnt der staatstragend-pädagogische Teil: Liebe Kinder, was man macht, muss man immer richtig und konsequent machen, sonst wird man runtergespült.

Essen fassen… und ein kleiner Geschichtsausflug

Modica bei Ragusa

Noch ein paar Eindrücke aus Modica und einen Blick auf das Iblei- Gebirge mit den vielen Steinmauern

So und jetzt zum Aperitif und Abendessen bei arschkalten 22 grd gegen 20.00Uhr – ergo wieder lange Sachen anziehen..
Wie geht’s weiter?
Schöner Sprizz mit leckeren Bruschetta und Salat mit Pomodori und Bohnen (5.-€).
Dann als Antipasti eine sizilianische Käseplatte. Ja, da zeigen wir’s aber mal den Franzosen. Die wurden hier früher eh nicht so geliebt. Zumindest nicht die Bourbonen und Besatzer unter dem Prinzen von Anjou. Stichwort: sizilianische Vesper. Da ist den Italienern, nachdem einige Franzosen bei der Teilnahme an einem nachösterlichen Gottesdienst paar Mädels nicht systemgerecht angesprochen haben, der Faden durchgebrannt und sie haben innerhalb kürzester Zeit ganz Sizilien franzosenfrei gemacht (incl. weiblicher sizilianischer Kollaborateure). Da sie sich bei den Normannen und Staufern wohl gefühlt hatten, wurde ein Cousin als Regent herein gebeten, der dann spanischen Geblütes war und so kam Sizilien zu Spanien.
Zurück zum Käse…da wurde die Ziege ebenso mit Feigenkonfitüre und Honig angeboten, wie im Stammland des Ziegenkäses. Freunde, großes Kino! Nur gleich am Anfang hatte ich dann Sättigungsprobleme. Dennoch gabs danach Primi Piatti: Spaghetti mit getrocknetem Thunfisch (bottarca) und Mandeln…oberlecker!
Hach, geht’s mir richtig gut!

Der Manager- Papa

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